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FrolleinDoktor

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Dezember 2019

 

08. Dezember 2019 |

Meine Entdeckung des Jahres: Das Weinessigut “Doktorenhof”

Eine kleine Auswahl der Essige des Doktorenhofs.

Ich gebe es zu: Essig hat in meiner Küche bisher eher eine untergeordnete Rolle gespielt. Er gehört an den Salat, an schwäbische Linsengerichte – ok. Aber sonst? Seit diesem Jahr weiß ich es besser. Seit ich über ein Produkt gestolpert bin, das den schönen Namen "Die Hübschlerin" trägt. Und ja, sie ist ein Essig. 

Wie kommt man darauf, einem Essig einen solchen Namen zu geben? Ich wurde neugierig und schrieb an den Hersteller, den ich bisher noch nicht kannte: die Essigmanufaktur "Doktorenhof" in der Pfalz. Die Unterlagen, die man mir daraufhin schickte, öffneten mir die Augen, dass ich den Essig bisher ganz offenbar maßlos unterschätzt hatte ... 

Was gab es da nicht alles zu entdecken:

Essige zum Trinken (zum Trinken???? Jawohl, zum Trinken – wie einen Apéritif! oder Digestif!) mit so wohlklingenden Namen wie "1001-Nacht-Balsam" oder "Balsam of Roses" (ein Rosenessig ... was es alles gibt!) oder "Acetum Royal" (ein besonders edler Essig, verfeinert mit Gelée Royale, dem Saft, mit dem die Bienen ihre Königinnen ernähren). Oder "Engel küssen die Nacht" mit Kirschen und Vanille für Süßspeisen, Käse, Obstsalat; "Giacomo Casanova" mit wilden Pomeranzen und Lavendel für Fisch, Meeresfrüchte, Käse, Pasteten; "Nofretete - die Schöne ist gekommen" mit Macis, Orangen, Pomeranzen und Rosenblüten für Brie, Geflügel, Lamm und Krustentieren; "Vatermörder-Paaricide" - ein Bitter mit 19 verschiedenen Kräutern, ein idealer Digestif; "Wenn Schmetterlinge lachen" mit Passionsfrucht und Vanille zu mediterraner Kost und Carpaccio; "Tränen der Kleopatra" zu Gänseleber, Austern, Pilzen, Wild. Und so könnte ich die Reihe der Beispiele noch um viele weitere Essige ergänzen, die der "Doktorenhof" bereithält. 

Es sind Essige, die jedes Essen verfeinern. "Zeit für saure Sinnlichkeit" heißt da Motto der Manufaktur – und sinnlich sind diese Essige allemal. Sie schmeicheln der Zunge, sie geben den Speisen erst den letzten Pfiff und lassen sie ihr Aroma voll entfalten. Kurzum: Seit ich den Doktorenhof kenne, kommt mir kein anderer Essig mehr auf den Tisch.

Safranessig verfeinert jede Suppe (hier eine Schwarzwurzel-Cremesuppe) und ebenso jedes andere Gericht. Den Safran baut der Doktorenhof selbst in der Pfalz an. 

Der neueste Clou: Die Kombination eines edlen Essigs mit Safran, dem teuersten Gewürz der Welt, das der Doktorenhof in der Pfalz selbst anbaut und von Hand erntet und verarbeitet. Es gibt diesen Essig in zwei Variationen: als "Kaiser Hadrian" mit kräftigem Aroma und leichter Bitternote, und als "Königin Louise", die lieblichere Variante mit dezenter Süße. 

Und was steckt nun hinter der "Hübschlerin"? Verführung pur ... Eine Hübschlerin war im Mittelalter eine käufliche Frau für gewisse Stunden – ein bisschen frech, kokett, vor allem aber ein Sinnbild für ungezügelten Genuss. Und genau das ist die Hübschlerin als Essig: eigenwillig, ein bisschen pompös, aber auch duftig und so raffiniert in ihrer Komposition aus Trauben, Erdbeersaft, Honig und Kräuftern, dass man nicht mehr ihr lassen kann. Jedenfalls, wenn es ums Essen und Trinken geht. 

Aber damit nicht genug: Es gibt auch Essigpralinen (!), ein Buch mit Essig-Märchen (!!) und Rezepten, es gibt Probiersets, Chutneys, Aufstriche und Senf in verschiedenen Variationen. Und mundgeblasene, höchst dekorative Gläser für die Essigverkostung. 

Ach ja, undnatürlich bietet der Doktorenhof Führungen durch seine Kellergewölbe an mitsamt einer Essig-Degustation. Und damit man nach danach keine weiten Wege mehr hat, mietet man am besten das "Essig-Apartment" an, das der Doktorenhof als Ferienwohnung vermietet. Denn natürlich baut der Doktorenhof eigenen Wein an – die Grundlage für den Essig. 

Eines steht für mich als guter Vorsatz fest: 2020 werde ich dem Doktorenhof einen Besuch abstatten. Man gönnt sich ja sonst nix ... 

www.doktorenhof.de 

Und nein, ich wurde für diesen Beitrag nicht bezahlt. Ich durfte aber ein paar der Doktorenhof-Essige probieren und bin seither süchtig danach ... 

 

 

November 2019

 

26. November 2019 |

Rock the Elphi

Die malische Sängerin und Gitarristin Fatoumata Diawara lässt den Großen Saal erbeben 

Fatoumata Diawara und ihre Band – das Publikum swingt bereits mit.

Diese Frau ist ein Ereignis. Schon bevor sie die Bühne betritt, ist ihre rauhe, tiefe Stimme zu hören, mit einem afrikanischen Lied, das unmittelbar ins Herz geht. Nicht nur wegen der eingängigen Rhythmen und der melodischen Kraft dieses Gesangs, sondern weil Fatoumata Diawara alles in diese Klänge legt, wessen sie fähig ist – ihre ganze afrikanische Seele. 

Und dann kommt sie, in einem weit schwingenden bunten Rock, mit schwarzem Tüll unterfüttert, die Haare unter einem großen schwarzen Turban versteckt, und von Kopf bis Fuß Musik, nichts als Musik, begleitet von vier phantastischen Musikern an E-Gitarre, Bass, Keyboards und Schlagzeug. Oft begleitet sie sich selbst noch zusätzlich auf der E-Gitarre – und zeigt, dass sie darin genauso virtuos ist wie im Umgang mit ihrer Stimme. 

Sie moderiert das Konzert selbst und macht auch aufmerksam auf die Missstände auf diesem Kontinent, auf Armut, Hunger, Kriege, Ausbeutung. Leider versteht man sie schlecht – die Musiker untermalen ihre Worte, und das ist dann doch ein bisschen zu laut ausgesteuert, so dass man das Gesprochene oft nicht ganz versteht. Auch bei den Songs hätte man sich oft gewünscht, dass sich der Sound etwas zurücknimmt und dem Gesang mehr Raum lässt. 

Zwischendurch fegt sie tanzend über die Bühne, dass der schwarze Turban wegfliegt und ihre Rasta-Zöpfe freilegt, und damit ist sie dann noch mehr sie selbst. Ihr Statement ist eindeutig: "Open the borders, brothers and sisters – we are all human beings!" Öffnet die Grenzen, Brüder und Schwestern, wir sind alle nur Menschen! 

Anderthalb Stunden lang rockt Faoutmata Diawara die Elbphilharmonie, mit nachdenklichen, wehmütig-melancholischen Liedern, aber dann auch wieder mit so viel Energie und Lebensfreude, dass es das Publikum kaum auf den Sitzen hält – und so lassen sich die Zuschauer nicht lange bitten, als sie das Signal gibt aufzustehen und mitzuswingen, mitzutanzen, die Lebensfreude zu zeigen. Einmal bittet sie alle, im Takt auf- und abzuhüpfen, und fast hat man da etwas Sorge um die Statik ... ob die Architekten das wohl mitbedacht haben, wie sich die Aufhängung des Saales verhält, wenn bei einem Konzert 2000 Menschen gleichzeitig auf der Stelle hüpfen ...???

Das Publikum entert die Bühne des Großen Saals ... 

Es macht Fatoumata Diawara glücklich, wie das Publikum hier mitgeht, und als wäre das nicht genug, holt sie die Leute zum Schluss sogar auf die Bühne – das hat es so bisher nur selten gegeben, die Saalordner haben erkennbar Mühe, alles unter Kontrolle zu behalten. Ein fulminantes Finale! 

 

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