FrolleinDoktor

Lektüre ohne Risiken, aber mit Nebenwirkungen. Rezeptfrei in Ihrem Internet. Immer wieder zu durchstöbern. Machense sich doch schon mal frei.

September 2013

 

09. September 2013 | 0 Kommentare

Einfach mal nichts tun

"Und dann muss man ja auch noch Zeit haben,
einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen..."

Na, wer hat das gesagt? Hätten Sie's geraten oder womöglich sogar gewusst? Es war die große, die wunderbare, die einzigartige ... Astrid Lindgren! Und diesen ebenso schlichten wie weisen und wahren Satz haben wir heute vollkommen vergessen. Wir sind alle mehr oder weniger getrieben von der Hektik unseres Alltags. Da verlangen alle ihr Recht: die Arbeit, der Partner bzw. die Partnerin, die Kinder, die Freunde, die Hobbys. Und wo, bitte schön, wo bleiben Sie?

Überlegen Sie mal: wie oft am Tag sitzen Sie einfach mal nur so da und gucken vor sich hin? Oder in die Luft, in den Himmel, die Sterne, träumen den Wolken hinterher? Ich wette, bei vielen heißt die Antwort: gar nicht. Da geht der Blick tausendmal eher auf die Uhr, das Smartphone oder den Bildschirm – es könnte ja sein, dass irgendjemand irgendwelche hochnotwichtigen Botschaften kundgetan hat. Oder dass wir einen Termin verpassen. Wir erlauben uns kaum noch, eine Weile lang nur rumzuhängen und nichts zu tun.

Deshalb heißt mein Gesundheitstipp der Woche heute: Fünf Minuten am Tag – wetten, das wird Ihnen vorkommen wie eine Ewigkeit!? – mal nur eines tun: nichts. Das Handy auf lautlos stellen und das Email-Programm am Bildschirm schließen, dann macht es nicht ständig "pling" und holt die Aufmerksamkeit zurück auf den elektronischen Briefkasten, in dem ja ständig irgendetwas aufplingt. Und dann alles loslassen, was im Gedankenkarussell so rumkreiselt. Nicht mehr denken. Auch keine Pläne machen für die nächste Stunde, den Nachmittag, den Abend, die Woche. Nicht mehr überlegen, was alles noch zu tun ist. Sondern abschalten. Stecker ziehen. "Off" sein.

Einfach nur dasitzen und vor sich hinschauen, wie Astrid Lindgren es so schön formuliert hat. Ach, wie gut das tut...!! Und deshalb stellen Sie sich am besten gleich ein Rezept dafür aus: Schreiben Sie diese weisen Worte von Astrid Lindgren auf einen Zettel und hängen Sie ihn über den Schreibtisch oder den Küchentisch, an den Badezimmerspiegel und neben das Bett. Damit Sie nie wieder Ihre kleine, ganz private Auszeit vergessen.

 

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August 2013

 

20. August 2013 | 2 Kommentare

Antibiotika: Mehr Zurückhaltung tut not!

Gestern erreichte mich eine Meldung aus dem Ruhrgebiet: Die Westfälische Rundschau berichtete, dass in den Helios-Kliniken in Duisburg bis Juni 2013 genauso viele Menschen mit multiresistenten Keimen infiziert worden waren als im gesamten Jahr 2012. Mit anderen Worten: im ersten Halbjahr hat sich die Anzahl der Fälle verdoppelt. Schon 2011 waren die Zahlen in Duisburg jeweils doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt von NRW, wie dem WR-Bericht zu entnehmen ist.

Multiresistent, das bedeutet: die Bakterien sind gegen die meisten der Antibiotika, die normalerweise dagegen eingesetzt werden, resistent. Sie lassen sich damit nicht mehr abtöten. Handelt es sich um multiresistente Erreger, sind sie gleich gegen mehrere Antbiotika unempfindlich geworden – was tödlich enden kann, weil kein Mittel mehr dagegen hilft.

Nun ist es ja ohnehin schon ein Unding, dass Menschen im Krankenhaus eher noch kränker werden als gesund. Dass sie sich dort aber mit einem Keim infizieren, den sie kaum noch loswerden, sprich: sich damit eine möglicherweise todbringende Infektion einhandeln – das ist nachgerade ein Skandal. Immer mal wieder gibt es dazu Schlagzeilen, aber ändern tut sich nichts. Drei Faktoren sind dafür ausschlaggebend:

  1. Die inflationäre und vielfach unnötige Verordnung von Antibiotika in allgemein- und fachärztlichen Praxen.
  2. Der Gebrauch von Antibiotika in der Tierhaltung, vor allem von Fischen (z B. Lachse, Forellen aus Aquakultur), Hühnern, Enten, Puten, Rindern und Schweinen.
  3. Mangelnde Hygiene im Krankenhaus, vor allem in der Chirurgie.

Sorgfältige Hygiene im Operationssaal ist oberstes Gebot, um Infektionen zu vermeiden.

Das alles ist landauf, landab bekannt. Aber ändern tut sich nichts. Nun können wir als Außenstehende an den Hygiene-Verhältnissen im OP wenig ändern. Und wenn ein operativer Eingriff erforderlich ist, können wir das auch nicht umgehen. Wir können nur hoffen, dass wir mit heiler Haut davonkommen. Ist ein Eingriff planbar, können wir jedoch in den Qualitätsberichten der Krankenhäuser (die im Internet veröffentlicht sind) nachschauen, wie hoch die Infektionsrate des Hauses ist. Aber oft ähneln sich die Raten der Häuser, und einen hundertprozentigen Schutz gibt es ohnehin nicht. Dass Krankenhäuser heute Profit-Center sind, bei denen es vor allem auf einen hohen Durchsatz an Patienten ankommt wie auf einem Stückgut-Frachter, wurde schon x-mal beklagt und angeprangert, aber auch das ist eine Tatsache, an der wir kurzfristig nichts ändern können.

Einfluss nehmen können wir jedoch auf den Verzehr von Fisch, Geflügel und Fleisch. Wir können kein Billigfleisch aus Mastbetrieben kaufen, wo von vornherein klar ist, dass die Tiere mehr oder weniger vor dem Tod hergetrieben werden – unter massivem Einsatz von Antibiotika und Wachstumsförderern. Wir können unsere Ernährung so steuern, dass wir weniger Fleisch und mehr Gemüse essen – dann kann man sich auch die teureren Bio-Produkte aus artgerechter Haltung leisten. Für die Gesundheit ist es ohnehin besser, höchstens zwei- bis dreimal in der Woche Fleisch, Fisch oder Geflügel zu verspeisen. Ich fand ja ohnehin, dass der Veggi-Tag eine ganz gute Idee war...

Vor allem aber können wir dafür sorgen, dass wir gegen Bagatell-Erkrankungen keine Antibiotika einsetzen. Dazu gehören vor allem Erkältungen (die ohnehin vorwiegend durch Viren ausgelöst werden, gegen Antibiotika nicht wirken), aber auch Mittelohr-, Nasennebenhöhlen-, Atemwegs-, Hals- und Rachenentzündungen. Antibiotika sind da meisten ebenso unnötig wie kontraproduktiv. Nicht nur, aber vor allem wegen der Entwicklung von Resistenzen.

Die nächsten Gesundheitstipps der Woche werden sich deshalb immer wieder mit bewährten Hausmitteln gegen solche Infekte beschäftigen, die vor allem in der kalten Jahreszeit zwischen November und März vorkommen. Bis dahin gilt: Vor jedem Einsatz eines Antibiotikums gut überlegen, ob es wirklich nötig ist. Das gilt vor allem für die Behandlung von Kindern!

 

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creezy 21. August 2013, 00:10 Uhr

Naja, die Patienten infizieren sich nicht zwangsläufig im Krankenhaus mit dem Keim. Die meisten Patienten bringen die Keime bereits mit.  Zum Ausbruch kommt es nicht aufgrund einer „neuen” Infektion im Krankenhaus, aber sicher forciert durch die allgemeine Schwächung des Immunsystems des Patienten.

Die Hygiene selbst stimmt schon noch in den meisten Krankenhäusern. Man muss hier grundsätzlich anders begegnen. Beispielsweise nach dem niederl. Modell mit dem MRSA-Test bei jedem neu aufzunehmenden Patienten und solange eben: Quarantäne. Vor allem aber auch mal wieder die sehr laschen Besucherregeln neu überdenken. Es nützt die beste Hygiene in Krankenhäusern nichts, wenn Hinz und Kunz bei Besuchen sich nicht auch an die Hygieneregeln halten. Ein Besucher, der ausreichend lange in Krankenhäusern bei dem Patienten weilt, „sudelt” sich halt auch prima mit den Keimen ein auf längere Sicht.

Man kann auch nicht sagen, dass sich auf dem Gebiet nichts tut. Die Mühlen mahlen eben etwas langsam, das ist die Crux von einer auf Evidenz basierender Medizin. Leider. Ich gebe zu, DAS ist die eigentliche Schande.

http://www.aqua-institut.de/de/presse/op-risiko-infektion-nosi-18.07.2013.html

Persönlich glaube ich im übrigen, dass heute längst nicht mehr in den Praxen noch immer inflationär Antibiotika verabreicht werden. Das hat sich doch langsam herum gesprochen. Natürlich haben die Patienten der älteren Generationen mit den Handlungen der Vergangenheit zu kämpfen. Das größte Problem stellt heute tatsächlich die Ernährungskette dar. Einschließlich unserem Trinkwasser. Leider.

Barbara Ritzert 21. August 2013, 11:02 Uhr

Das Wissenschaftler-Team vom Versorgungsatlas des ZI bereitet gerade eine Studie vor zum Thema Einsatz von Antibiotika auf der Grundlage von Behandlungsdaten. Darum erlauben diese Daten die Analyse bis auf die Ebene der Länder und Landkreise und wird sicherlich wieder regionale Besonderheiten zu Tage fördern.
Ich bin darauf schon sehr gespannt.
conflict of interest: ich betreue die Pressestelle vom Versorgungsatlas wink)

 

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