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FrolleinDoktor

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November 2013

 

11. November 2013 |

Grippeimpfung - ja oder nein?

Alle Jahre wieder wird die Werbetrommel für die Grippeimpfung gerührt. Ich bekenne: ich war noch nie dabei. Denn die Meinungen über den Nutzen dieser Impfung gehen weit auseinander. Auch stimmt mich skeptisch, dass spätestens im Januar oder Februar die impfstoffherstellende Industrie ihre PR-Maschinerie anwirft und dabei gerne auch mit Panikmache arbeitet ("Impfstoff wird knapp", "schnell noch impfen lassen, bevor das Serum ausgeht" und dergleichen mehr).

Auch hinkt der Impfstoff den Viren immer hinterher. Denn die drei Komponenten, aus denen er sich zusammensetzt, werden von der WHO schon im Februar auf der Basis der Viren aus dem vorausgegangenen Winterhalbjahr definiert. Bis das Virus dann bei uns ankommt und die Grippewelle beginnt, haben sich die Viren aber bereits wieder verändert. Der Impfstoff schützt also nur bedingt gegen diese variationsfreudigen Influenza-Viren.

Natürlich ist so eine echte Virus-Grippe kein Spaziergang. Sie beginnt mit hohem Fieber bis 40 Grad, Kopf- und Gliederschmerzen, gefolgt von den typischen Erkältungssymptomen wie Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Sie dauert auch länger als ein "grippaler Infekt", der von anderen Viren ausgelöst wird. Etwa zehn bis zwölf Tage liegt man flach. Und es ist ratsam, sie auch wirklich richtig auszukurieren. Nicht selten ist nämlich eine verschleppte Grippe der Grund für eine schwere Herzentzündung, die lebensbedrohlich werden kann. 

Im Winter 2013 wurden 3,4 Millionen Deutsche mit der Diagnose "Influenza" krankgeschrieben, berichtete Spiegel Online. Ob es weniger gewesen wären, wenn sich noch mehr Menschen hätten impfen lassen, bleibt offen. Ob es mehr gewesen wären, wenn sich weniger Menschen hätten impfen lassen, ebenso. Dass die Zahl so hoch war, hängt vermutlich vor allem mit dem sehr langen Winter zusammen. 

Was mich von dieser Impfung zusätzlich abhält, ist die Einschätzung, die ich sowohl von Hausärzten wie auch von KollegInnen immer wieder höre und die ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann: ungeimpft erkrankt man seltener. Und: auch Geimpfte kann das Influenza-Virus erwischen, und dann verläuft die Krankheit keineswegs milder. Oder habt Ihr andere Erfahrungen? 

Ich halte es lieber mit den Empfehlungen, die auch die besten Mittel gegen den harmlosen grippalen Infekt sind: 

1. Die Raumluft befeuchten!
Erkältungs- und auch Grippeviren nisten sich vor allem auf durch trockene Heizungsluft vorgeschädigten Schleimhäuten der Atemwege ein. Deshalb: Feuchte Tücher über die Heizung hängen. Grünpflanzen im Raum aufstellen, sie sorgen ebenfalls für ein angenehm feuchtes Raumklima, weil sie Wasser verdunsten.

Auch ratsam: Die Atemwege mehrmals täglich mit Meerwasser-Spray feucht halten. Oder die Nasenschleimhaut jeden Morgen mit Salzwasser aus der Nasendusche befeuchten.

2. Viel trinken!
Wenn die Luft trockener ist, braucht der Körper mehr Flüssigkeit. Etwa 2 Liter täglich sollten es sein. (Wasser, Kräutertee, verdünnte Säfte).

Besonders lecker: 2 cm frische Ingwerwurzel schälen und in kleine Stücke schneiden. Mit kochendem Wasser aufgießen oder fünf Minuten im Wasser abkochen. Den Saft einer halben Orange zugeben und mit etwas Honig süßen.

3. Auf ausreichend Vitamine achten!
Damit die Abwehrzellen schlagkräftig bleiben, braucht der Körper in Herbst und Winter mehr Vitamine und Mineralstoffe (vor allem Zink). Wichtige Lieferanten sind Sanddorn-Ursaft (oder -Elixier), Fliederbeersaft, frisch gepresste Säfte und frisches Obst (täglich 1-2 Äpfel, Birnen, Kiwis, Orangen).

4. Den Körper abhärten!
Pfarrer Kneipp wusste, was die Abwehr stärkt: kalte Güsse oder Waschungen. Zwei- bis dreimal wöchentlich den Oberkörper kalt abwaschen oder kurz abduschen. Studien zeigen, dass sich dann die Anzahl der Abwehrzellen deutlich erhöht – so kann der Körper Keime besser bekämpfen.

Ebenfalls wichtig: Jeden Tag eine halbe Stunde an die frische Luft gehen – auch wenn's regnet, stürmt und schneit. Danach schmeckt das heiße Ingwerwasser oder ein schöner Tee nochmal so gut! 

5. Hände waschen!
Die eigenen Hände sind der Hauptüberträger für die Viren. Man holt sie sich von Telefonhörern, Türkliniken, Haltegriffen in Bussen, S- und U-Bahnen (Tipp: Handschuhe tragen!) und beim Händeschütteln. In öffentlichen Verkehrsmitteln Schal vor Mund und Nase ziehen, dann atmet man die Viren nicht so leicht ein. 

Damit bin ich bisher immer gut und meist sogar erkältungs- und grippefrei über den Winter gekommen. 

Foto: (c) Nele Braas

 

Oktober 2013

 

15. Oktober 2013 |

DocSecret rät: Schauen Sie in Ihre Karteikarte beim Hausarzt!

Diesen Beitrag verdankt FrolleinDoktor ihrer Freundin "DocSecret". Sie kennt sich blendend aus in der ärztlichen Szene, hat aber auch ein großes Herz für die Interessen und Bedürfnisse von PatientInnen, die informierte Entscheidungen treffen und Verantwortung für sich und die eigene Gesundheit übernehmen wollen. Sie weiß, dass PatientInnen ihren ÄrztInnen gerne auf Augenhöhe begegnen. Nicht zuletzt aus diesem Grund entstand der nachfolgende Beitrag. Zum Schutz der eigenen Arbeit und Person berichtet DocSecret lieber undercover. Name und Adresse sind FrolleinDoktor bekannt.

Seit dem 1. Oktober 2013 rechnen die Hausärzte in Deutschland ihre Leistungen bei Kassenpatienten nach einer neuen Gebührenordnung ab. Der neue Hausarzt-EBM – so heißt das Gebührenverzeichnis im Bürokratendeutsch der Kassenärztlichen Bundesvereinigung – soll mehr Honorargerechtigkeit bringen und die Arbeit des typischen Hausarztes besser entlohnen. Schön für die Hausärzte. Nur: Was geht uns PatientInnen das an? Schauen wir hinter die Kulissen der Abrechnungsregularien, werden wir erstaunt feststellen: eine ganze Menge.  

Damit bestimmte Leistungen abgerechnet werden können, müssen bestimmte Diagnosen, sprich Krankheiten, vorhanden sein. Das ist nicht erst seit dem 1.10.2013 so, es bekommt jetzt aber eine noch größere Abrechnungsrelevanz als zuvor. Das Einkommen der Ärzte hängt seit diesem Datum nämlich von der Codierung der Krankheit ab. Und je „kränker“ ein Patient ist – nein, besser: je schwerwiegender die Erkrankung laut der vom Arzt in der Dokumentation gesetzten ICD-10-Diagnose (ICD= International Code of Diseases) ist, desto höher fällt das Honorar für den Arzt aus.

Gut und schön, warum sollen Ärzte für kränkere und betreuungsintensiverer Patienten nicht mehr Geld bekommen? Im Prinzip spricht da nichts dagegen, gäbe es nicht die Möglichkeit, den Patienten kränker zu codieren als er es tatsächlich ist. Allein für die die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) gibt es – dem Schweregrad entsprechend – mehr als 30 unterschiedliche Verschlüsselungen. Das öffnet Manipulationen Tür und Tor. Denn je kränker der Patient, desto höher das ärztliche Einkommen. Mehr noch: Je nachdem, in welche Gruppe der jeweilige Patient per ICD-10-Code eingruppiert wird, fließt für ihn Geld aus dem Gesundheitsfonds zu seiner Krankenkasse. Nicht zuletzt deshalb veranstalten die großen Krankenkassen – allen voran die AOK – in den Praxen Codier-Schulungen, um Ärzten und Praxisteams das richtige Verschlüsseln der Erkrankungen beizubringen.

Da dürfte die Versuchung groß sein, einen eigentlich gut eingestellten Diabetes etwas „entgleister“ oder nebenwirkungsreicher zu codieren als unbedingt notwendig (die Krankenkassen zeigen in den Schulungen ja auch, wie das ganz einfach funktioniert). Oder auch schon einmal eher mehr  die Diagnose E 66 (Übergewicht) zu schlüsseln, obwohl der Patient durch seine paar Pfunde zuviel keinerlei gesundheitliche Einschränkungen zu beklagen hat. Auch ein erhöhter Cholesterinspiegel lässt sich unter verschiedenen Code-Nummern als mehr oder weniger schwerwiegend einstufen.

Im normalen Praxisalltag hat das alles möglicherweise noch keine weitreichenden Konsequenzen – außer der, dass der Hausarzt vielleicht mehr verdient (es sei ihm gegönnt). Nur: Für die Krankenkasse läuft jeder Patient unter den codierten Etiketten und wird entsprechend als jemand mit höherem oder geringerem Risikopotential eingestuft. Wer weiß, ob wir bei einer Ansammlung unterschiedlichster Erkrankungen und insbesondere vermeintlich selbstverschuldeter wie Übergewicht (das bekommen ja nur Menschen ohne Disziplin, die ihre Fresslust nicht im Griff haben) später überhaupt noch als „behandlungswürdig“ gelten? Zum Beispiel, wenn einmal eine teure Operation oder ein Gelenkersatz ansteht. Nicht auszuschließen, dass wir dann plötzlich als schwerstkrank gelten, obwohl wir es nie waren.

Machen wir uns doch also einfach einmal die Freude und schauen in unserer EDV-Karteikarte beim Hausarzt nach den Diagnosen – jede/r hat das Recht, ihre/seine Karteikarte einzusehen!  Vielleicht werden wir uns ja wundern, was für Diagnosen da verzeichnet sind, obwohl wir uns doch eigentlich ganz gesund und leistungsfähig fühlen. Befindlichkeit und Befund sind eben nicht das gleiche. Vielleicht wissen irgendwann die Computer unserer Krankenkasse dank der Emsigkeit unserer (Haus)Ärzte mehr über uns und unsere Befindlichkeit als wir selbst? Der gläserne Patient ist auch ohne E-Card schon längst Wirklichkeit.

Da bekommt der Slogan der jüngsten Werbekampagne für Hausärzte „Wir arbeiten für Ihr Leben gern“ doch gleich einen anderen Zungenschlag...

 

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