FrolleinDoktor

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Juli 2013

 

03. Juli 2013 | 0 Kommentare

Bitte lesen!

Schon der Titel lässt innehalten: "Fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen". Was mag das sein? dachte ich, als ich dieses Buch zum ersten Mal sah. Und wurde neugierig. 

Bronnie Ware ist Australierin und hatte in ihrem Leben schon in diversen Berufen gearbeitet: als Bankangestellte, Kellnerin, House-Sitterin, Sterbebegleiterin, Songwriterin... Sie lebte in Australien, England und auf einer Südseeinsel.

Geprägt hat sie vor allem ihre Tätigkeit in der Pflege von todkranker Menschen, die ihr vieles anvertrauten, was ihnen in den wenigen Wochen und Monaten, die ihnen noch vergönnt waren, einfiel und durch den Kopf ging. Bronnie hat das so beschäftigt, dass sie darüber in ihrem Blog "inspiration and chai" schrieb.

Ihre Einträge dort stießen auf so viel Interesse und Resonanz, dass Bronnie sich entschloss, kurzerhand daraus ein Buch zu machen. Es wurde nicht nur in Australien ein großer Erfolg – mittlerweile steht es schon seit Wochen auf der SPIEGEL-Bestseller-Liste und wurde bereits in mehrere andere Sprachen übersetzt.


Fünf Dinge waren es, die die von ihr betreuten Menschen in ihren letzten Tagen am ehesten bereut haben und die das Buch in fünf große Abschnitte gliedern:

  1. "Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mir selbst treu zu bleiben, statt so zu leben, wie andere es von mir erwarteten." 
  2. "Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet".
  3. "Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen."
  4. Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden gehalten." 
  5. Ich wünschte, ich hätte mir mehr Freude gegönnt." 

Für die meisten ihrer Patienten kamen diese Einsichten zu spät – wie sie auch für jeden von uns zu spät kommen, wenn wir uns nicht schon frühzeitig darauf besinnen. Deshalb ist dieses Buch eine wichtige Lektüre – wir können von den Begegnungen Bronnies mit den sterbenden Menschen lernen, dass es darauf ankommt, die Dinge nicht auf die lange Bank zu schieben, sondern JETZT umzusetzen – ganz egal, ob es sich um Träume handelt, deren Umsetzung etwas Planung erfordert, oder um Vorhaben, die rasch realisierbar sind. Fest steht: es geht viel mehr als wir immer denken, wenn wir es nur wirklich wollen. 

Der einzige Mangel an diesem Buch ist seine Weitschweifigkeit, wenn es um das eigene Leben von Bronnie Ware geht. Sie vermischt ihre eigene Lebensgeschichte mit dem, was die sterbenden Menschen ihr gesagt haben oder was sie von ihnen erfahren hat. Das erzählt sie durchaus anschaulich, aber auch sehr kleinteilig, was sie alles so gemacht hat, wie sie sich in all den Jahren gefühlt hat, welche Schwierigkeiten es mit ihrer Familie gab – und das wird mit der Zeit dann doch etwas langatmig. Es hätte dem Buch gut getan, wenn es in diesen persönlichen Passagen mehr gestrafft worden wäre. Wie man auch nicht versteht, warum Bronnie kurz bevor sie das Buch geschrieben hat, in eine tiefe Depression fiel und sogar vorhatte, sich umzubringen. Das ist alles wenig schlüssig und hinterlässt einige Fragezeichen, was den Wert des Buches letztlich aber nicht schmälern kann. 

Bronnie Ware
5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen
Arkana Verlag, 352 Seiten, 19,90 Euro
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