FrolleinDoktor

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Juni 2014

 

29. Juni 2014 | 0 Kommentare

Der ultimative Shopping-Guide für Berlin

Ob geschäftlich oder aus rein privatem Vergnügen – irgendwann muss jeder mal in die Hauptstadt. Und dann fragt sich: wo shoppen gehen? Wo gut essen? Wo etwas Spezielles erleben? Dafür gibt es jetzt den ultimativen Reiseleiter: "111 Geschäfte in Berlin, die man erlebt haben muss" von Patricia Schmidt-Fischbach (Text) und Ralph Bergel (Fotografie). 

Die gekonnte Auswahl der 111 außergewöhnlichen Läden und Etablissements zeugt von ausgewiesenem Insiderwissen und langjähriger Stadt-Expertise. Was man sonst nur zufällig im Vorbeigehen entdeckt, lässt sich jetzt für den nächsten Berlin-Aufenthalt in Ruhe mit einplanen: Schräges, Schönes, Spezielles. Der exquisite Wolleladen, die Zuckerbäckerin mit den hauchzarten, fluffigen Macarons, die Braut-Modistin mit dem Blick fürs Besondere, der ultimative Dessous-Laden für jede Oberweite, das Geschäft für die bequemsten Schuhe der Welt oder für den nassrasierenden Mann von heute. Natürlich dürfen ausgefallene Mode-Designer nicht fehlen (mein eigener Geheimtipp war auch mit dabei!), der raffinierte Quickie-Möbelhersteller, Läden für erotisches Spielzeug oder bacchantische Trinkfreuden sowie ein Geschäft, das man in ganz Deutschland in dieser Art wohl nicht ein zweites Mal findet: eine Drogerie, die diesem Namen mit ihrem Angebot an Heilkräuter-Drogen, mit Weingeist und Essigmutter noch Ehre macht. 

Es sind, wie es im Vorwort steht, "111 Hinweise auf ein besonderes Sortiment, altes Handwerk oder eine charmante Ladenidee. Kurzum: ein nützliches Buch für wache LeserInnen, die Berlin (neu) für sich entdecken und dabei auch ein bisschen über den Tellerrand des jeweiligen Ladens hinausgucken wollen, die SInn haben für den rauen Charme des Unfertigen und Freude an einer manchmal schrägen Formulierung und einem subjektiven Blickwinkel." Pfiffige Dreingabe: bei jeder Laden-Vorstellung ist gleich noch ein Zusatz-Tipp für die Umgebung mit dabei. 

Mit diesem Buch lässt sich die Seele der Stadt entdecken, das, was ihren Charme ausmacht und ihre Einzigartigkeit. Motto: "In Berlin jibt et nüscht, wat et nüscht jibt." Es sollte für jeden Berlin-Reisenden zur Pflichtlektüre werden. Denn irgendwas braucht man schließlich immer. Und sei es nur das Durchatmen in einer schönen Umgebung oder die Freude an guter, alter Handwerkskunst. 

Patricia Schmidt-Fischbach, Ralph Bergel: "111 Geschäfte in Berlin, die man erlebt haben muss", 240 Seiten, Broschur, Emons Verlag, Köln, 14,95 Euro

 

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Dezember 2013

 

17. Dezember 2013 | 0 Kommentare

Der Künstler

Heute wird Armin Müller-Stahl 83 Jahre alt – unglaublich! Er ist das, was sich am besten auf einen ganz kurzen, aber umfassenden Nenner bringen lässt: ein Künstler. Nein, er ist DER Künstler, denn es gibt weltweit nur ganz, ganz wenige wie ihn. Er ist nicht nur Schauspieler, sondern auch Maler, Musiker und Schriftsteller. Eine seiner wichtigsten Eigenschaften: Er ist leise. Nie aufdringlich, nie überspannt, nie sich in den Vordergrund drängend.

Wenn ich an Armin Müller-Stahl denke, dann steht immer auch Thomas Mann vor meinem inneren Auge, den er so großartig in der wunderbaren filmischen Dokumentation von Heinrich Breloer und Horst Königstein im ZDF verkörpert hat. Als "Jahrhundertroman" wurde der dreiteilige Film bezeichnet – zu Recht. Die letzte Wiederholung liegt leider schon wieder drei Jahre zurück, und es bleibt zu wünschen, dass das ZDF ihn bald wieder einmal ins Programm hebt. Allen, die das nicht abwarten können, sei die DVD-Box empfohlen – sie werden auch später unsere Enkel noch zu schätzen wissen. 

Armin Müller-Stahl spielt diesen Thomas Mann in der ihm eigenen zurückhaltenden Art, zwingend glaubhaft. Diese innere Zerrissenheit des großen Schriftstellers, seine unterdrückte Homosexualität, sein patriarchalische Haltung, seine Unnahbarkeit den Kindern gegenüber. Aber eben auch den Künstler, der um jedes Wort ringt, immer an sich selbst zweifelt, aber doch auch zutiefst von seiner Kunst überzeugt ist. 

Über dieses Mammutwerk erschien schon 2001 ein Begleitband "Die Manns" und später auch noch eine Broschur über das "making of": "Unterwegs zur Familie Mann" mit spannenden Einblicken in die Begegnungen und Interviews, die die Filmemacher im Vorfeld und während ihrer Dreharbeiten geführt haben. 

Ein Jahr vorher hatte der S.Fischer Verlag ein Roman von Thomas Manns Bruder Heinrich wiederentdeckt, der 1894 und somit sechs Jahre vor den "Buddenbrooks" erschienen, aber seit den 1920er Jahren nicht mehr erhältlich war: "In einer Familie". 

Es ist eine ebenso tragische wie leidenschaftliche Dreiecksgeschichte, mit einem interessanten Anhang: Der damals fünfzigjährige Autor schreibt hier anlässlich der Neuausgabe 1921 einen Brief an sich selbst als 21-Jährigen, in dem er so manches relativiert, was er in seinem jungmännlichen Überschwang im Roman geschrieben hatte. 

 

 

Höchst lesenwert auch die Biografie über Thomas Manns Frau Katja, die Inge und Walter Jens unter dem vielsagenden Titel "Frau Thomas Mann", die 2003 im Rowohl Verlag erschienen ist. 

Wer immer sich näher mit den "alten" Manns (Thomas und Katja Mann sowie Heinrich Mann) beschäftigen möchte, wird um diese Bücher nicht mehr herumkommen. 

 

 

 

 

Heinrich Breloer und Horst Königstein: Die Manns. Ein Jahrhundertroman. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2001

Heinrich Breloer: Unterwegs zur Familie Mann. Begegnungen, Gespräche, Interviews. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2001

Heinrich Mann: In einer Familie. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2000

Inge und Walter Jens: Frau Thomas Mann. Das Leben der Katharina Pringsheim. Rowohl Verlag, Reinbek, 2003

 

 

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