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Mai 2017

 

02. Mai 2017 | 0 Kommentare

Mahlers Achte in der Elbphilharmonie – überwältigend

Es gibt nur wenige Konzertsäle in der Welt, die der achten Sinfonie von Gustav Mahler, diesem monumentalen Werk für großes Orchester, zwei große gemischte Chöre, einen Knabenchor und acht Gesangssolisten (3 Sopranistinnen, 2 Altistinnen, 1 Teno, 1 Bariton, 1 Bass) gewachsen sind. Seit dem 28. April 2017 steht fest: Der Große Saal der Elbphilharmonie gehört dazu. Obwohl schon aufgrund der zuvor hier aufgeführten Konzerte absehbar war, dass der Saal den Anforderungen gewachsen sein würde, war es doch nochmal spannend, wie es sich dann tatsächlich anhören würde. 

Um es vorwegzunehmen: Es war überwältigend. Weniger, weil die Wucht des Klangs hier wirklich Raum hatte, um sich auszubreiten, sondern vielmehr, weil auch noch die zartesten Harfensoli und der feinste Geigenstrich des Konzertmeisters Anton Barakhovsky bis in die letzten Reihen zu hören war. Diese Transparenz des Saales ist immer wieder ein besonderes Erlebnis. 

Das in diesem Fall 131-köpfige Philharmonische Staatsorchester Hamburg nahm den ganzen Bühnenraum ein: mit 3 Konzertmeistern, 18 ersten und 16 zweiten Violinen, 14 Violen, 12 Celli, 10 Kontrabässen, 6 Flöten, 5 Oboen, 6 Klarinetten, 5 Fagotten, 8 Hörnern, 4 Trompeten, 4 Posaunen, 2 Tuben, 3 Pauken, 3 Schlagwerken, 6 Harfen, 2 Mandolinen sowie Klavier, Orgel, Celesta und Harmonium. Die Gesangssolisten standen dahinter, der Chor war auf den Publikumsplätzen des 1. Ranges platziert, die Alsterspatzen etwas weiter rechts. Zusätzlich wurde die Weinberg-Anordnung des Saales musikalisch genutzt: Jeweils am Schluss des 1. und 2. Satzes setzten noch vier Trompeten und drei Posaunen aus den oberen Rängen ein, ebenso eine Sopranistin mit ihrem Solo im 2. Satz. 

Der 81-jährige Mahler-Spezialist Eliahu Inbal, kurzfristig für den erkrankten Kent Nagano als Dirigent eingesprungen, hatte seine über 300 Mitwirkenden gut im Griff – was umso bewundernswerter war, als ja schon bekannt ist, dass die Akustik hier keinen Fehler unentdeckt lässt. Da waberte nichts, da verschmierte nichts – es war einfach nur Klanggenuss pur, von der ersten bis zur letzten Note. 

Auf sieben überlangen Leuchtkästen (Probenfoto oben: Wolf-Dieter Gericke) gab die Bühnenbildnerin und Lichtkünstlerin rosalie einen farbigen Abglanz der Musik. Sie changierten von weiß über blau und grün zu lila und rot, mal flirrend, mal ruhig, mal in voller Länge, mal – vor allem zu Beginn des 2. Satzes mit seinen leiseren Tönen – wie kleine Irrlichter, die von weit her kommen und nur kurz aufleuchten, um dann gleich wieder zu verschwinden. Musik und farbiges Licht standen hier immer wieder in angeregter Zwiesprache. 

Ein musikalisches Großereignis, das Hamburg einmal mehr zur Musikstadt gemacht hat. 

 

 

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