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Februar 2019

 

14. Februar 2019 |

Das Geistige in der Kunst

Die Ausstellung "Weltempfänger" im Münchener Lenbachhaus

Diese Ausstellung zeigt schon seit November 2018 aufs Anschaulichste, wie wichtig vor allem drei Frauen in der bildenden Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts waren: Georgiana Houghton (1814-1884), Hilma af Klint (1862-1944) und Emma Kunz (1892-1963). Vor allem Hilma af Klint hat vermutlich als erste (und dann noch als erste Frau!) abstrakt gemacht – schon 1906, also vier Jahre bevor Wassily Kandinsky und Piet Mondrian ihre Werke schufen. 2011 war dieser großen schwedischen Künstlerin eine große Retrospektive im Hamburger Bahnhof in Berlin gewidmet. Jetzt führt das Lenbachbaus einige ihrer Bilder mit denen der Engländerin Georgiana Houghton und der Schweizerin Emma Kunz zusammen.

Unabhängig voneinander haben die drei Künstlerinnen versucht, Naturgesetze, Geistiges und Übersinnliches in ihren Werken sichtbar zu machen. Ergänzt werden die Werke der drei Frauen durch bisher kaum bekannte spirituelle Filme von Harry Smith (1923-1991) und den Brüdern John (1917-1995) und James Whitney (1921-1982). Gemeinsam ist allen Künstlern das Anliegen, das Spirituelle ins Bild zu bringen: bei Georgiane Houghton und Hilma af Klint über die von Geistern geführte Hand, bei Emma Kunz über das Pendel, bei den Brüdern Whitney über einen technischen Apparat und bei Harry Smith über den Rausch der Drogen. Sie alle waren "Weltempfänger" von Botschaften und Eindrücken aus einer mit dem normalen Bewusstsein nicht zu erfassenden kosmischen Dimension. 

Hilma af Klint: Der Schwan (1914/15)

"Wir fragen uns, in welchen gedanklichen und gesellschaftlichen Zusammenhängen die künstlerische Abstraktion in der Moderne gedieh, welche Konzepte von Künstlerschaft damit einhergingen und welche neuen Verfahren dabei zum Einsatz kamen", schreiben die Kuratoren Karin Althaus und Sebastian Schneider in der Einführung zu dem im Hirmer Verlag erschienenen großartigen Bildband, der die Ausstellung begleitet. Die Auseinandersetzung mit Übersinnlichem war in der Künstler*innenszene des beginnenden 20. Jahrhunderts gang und gäbe – Séancen mit Seher*innen oder Menschen, die sich als Medien zur geistigen Welt bezeichneten, waren nicht ungewöhnlich. Hilma af Klint hat viele solcher Erfahrungen in ihren großformatigen Bildern verarbeitet.

Georgiana Houghton: The Eye of God (1862)

Aber auch Georgiana Houghtons Werk bringt auf faszinierende Weise übersinnlich Wahrgenommenes zum Ausdruck – wenn man nicht weiß, das diese farbenfrohen Phantasiegebilde schon vor 160 Jahren (!!) entstanden sind, könnte man sie glatt für abstrakte Werke einer zeitgenössischen Künstlerin halten. Ähnlich wie Hilma af Klint war auch Houghton in der Kunstgeschichte bis vor kurzem keine bekannte Größe. Erst als 2015 und 2016 Museen in Melbourne und London ihre Werke zeigten, wurde ihre Kunst bekannter – was sicher auch im Zusammenhang mit der Entdeckung Hilma af Klints zu sehen ist. Houghton betrachtete sich selbst als Medium und war in spiritistischen Kreisen aktiv. 

Emma Kunz: Werk Nr. 20, undatiert

Noch rätselhafter und staunenswerter ist die Malerei von Emma Kunz, die aufgrund ihrer übersinnlichen Fähigkeiten auch eine damals in der Schweiz bekannte Heilerin war. Ihre Zeichnungen entstanden durch das Pendeln mit einer silbernen Kugel, die sie über Millimeterpapier hielt. Das Pendel zeigte Punkte und Linien an, die miteinander zu verbinden waren und die sie dann mit Farbstiften oder Ölkreise ausmalte. Es sind unfassbar präzise Zeichnungen ohne Titel und meist auch ohne Datumsangabe.

Emma Kunz: Werk Nr. 167, undatiert

Beeindruckend auch die zwei Fotos von Ringelblumen, die Emma Kunz "polarisiert" hatte und die infolgedessen neun bzw. dreizehn Tochterblüten neben der Hauptblüte austrieben – ein Phänomen, das bis heute nicht wiederholt wurde. Die Fotos zeigen jedoch – und damals gab es noch kein Photoshop! – auf beeindruckende Weise, dass hier Kräfte am Werk waren, die mit den normalen Messmethoden nicht zu erfassen waren. Wie auch die Heilungen, die Emma Kunz vollbrachte, von der rein naturwissenschaftlichen Medizin heute als "Hokuspokus" abgetan worden wäre. Dankenswerterweise haben die Ausstellungsmacher die Geschichte des von Emma Kunz geheilten Peter Burri abgedruckt, der als Achtjähriger eine schwere Jodvergiftung erlitt, weil er die mit Schokolade umhüllten Jod-Tabletten seiner Gastmutter aufgegessen hatte. Normalerweise war so eine Vergiftung ein sicheres Todesurteil. Dass Peter Burri genas und sich heute mit 83 Jahren guter Gesundheit erfreut, führt dieser auf die Anweisungen Emma Kunz' zurück, die Peter Burris Vater peinlich genau erfüllt hatte.

Dieses Beispiel zeigt, in welchem Zusammenhang die Ausstellung im Lenbachhaus heute zu sehen ist: Mehr und mehr besinnen sich die Menschen darauf zurück, dass die Naturwissenschaft zwar vieles, aber nicht alles zu erklären imstande ist. Und dass es an der Zeit ist, wieder die geistigen und spirituellen Aspekte mit in unser Leben zu integrieren, in die Kunst ebenso wie in die Medizin und andere Lebensbereiche. Oder - wie einst der große Psychosomatiker Thure von Uexküll (1908-2004) sagte: "Wir haben den Geist aus der Medizin ausgetrieben, es wird höchste Zeit, ihn wieder hereinzubitten." 

 

Die Ausstellung "Weltempfänger" im Lenbachhaus München läuft noch bis zum 10. März 2019.

Das Buch zur Ausstellung: "Weltempfänger". Georgiana Houghton, Hilma af Klint, Emma Kunz. Hirmer Verlag, München, 39,90 Euro im Buchhandel bzw. 32 Euro in der Ausstellung

 

 

März 2018

 

09. März 2018 |

Die Schimpansen-Frau: Jane Goodall

"Allmählich war ich in der Lage, weiter und weiter in eine magische Welt einzudringen, die noch kein Mensch zuvor erkundet hatte: Die Welt der wilden Schimpansen." Jane Goodall

Jane Goodall mit Flint, dem Sohn der Schimpansin Flo, zu der sie eine besondere Beziehung entwickelte.

In diesen Tagen kommt ein bemerkenswerter Film über eine bemerkenswerte Frau in die Kinos: "Jane", ein Dokumentarfilm über die Schimpansen-Forscherin Jane Goodall. Der Regisseur Brett Morgen erzählt die Geschichte der weltbekannten Spezialistin von den ersten Anfängen in Tansania 1960 bis 1991, als sie das Roots & Shoots Jugendarbeits- und Aktionsprogramm gründet. Heute führen die mittlerweille 83-Jährige Vortragsreisen rund um die Welt. Seit 2002 ist Jane Goodall Friedensbotschaftterin der UNO. 

Das Faszinierende an diesem Film ist, dass er aus mehr als 100 Stunden bisher unveröffentlichtem Filmmaterial zusammengestellt wurde, das über 50 Jahre in den Archiven von National Geographic. Man sieht, wie Jane durch die Wälder streift, auf der Suche nach den scheuen Schimpansen. Wie sie mit unglaublicher Geduld immer und wieder auf sie wartet, bis die Menschenaffen sich so an diesen weißen Artgenossen gewöhnt haben, dass sie zutraulich wurden und immer näher herankamen, bis sie keine Scheu mehr kannten. Sie sagt über diese Zeit: "Ich wurde völlig in diese Wald-Existenz hineingesogen. Es war eine unvergleichliche Zeit. Als Alleinesein eine Lebensweise war." 

Jane Goodall hat als 26-Jährige in der Wildnis geforscht, zu einer Zeit, als das für Frauen mehr als ungewöhnlich war, noch dazu ohne Universitätsabschluss – wohl aber mit den besten Voraussetzungen für ein derart unbeackertes Feld wie die Primatenforschung: Neugier, Geduld, Sorgfalt, Detailgenauigkeit und vor allem eine unendliche Liebe zu den Tieren und der Natur. Ihre Beobachtung, dass Schimpansen Grashalme als Werkzeuge gebrauchen, um Termiten aus ihren Löchern zu pulen, macht weltweit Schlagzeilen. Ihre Entdeckungen veränderten den Blick auf die Tiere, auf die Welt. 

Hugo van Lawick in Tansania in Janes Schimpansen-Station in Gombe in Tansania.

Der Film dokumentiert auch die Liebe zwischen Jane und dem holländischen Tierfilmer Hugo van Lawick, den National Geographic 1962 zu ihr nach Tansania schickt, um ihre Arbeit zu dokumentieren. Die beiden heiraten 1964 und bekommen 1967 einen Sohn – Grub –, der heute als Bootsbauer in Dar es Salaam lebt. Aber Anfang der 1970er Jahre streicht National Geographic ohne nähere Angabe von Gründen den Auftrag an Hugo, er muss sich andere Betätigungsfelder suchen und arbeitet nun vorwiegend in der Serengeti. Als eine Polio-Epidemie unter den Schimpansen rund um Janes Station ausbricht, muss Jane zurück zu ihrer Station. Kurze Zeit später trennt sich die Herde in zwei Teile, und zwischen beiden bricht Krieg aus, aus dem nur eine Gruppe als Sieger hervorgeht. Es sind Ereignisse, die Jane zutiefst erschüttern, und ihr ist klar, dass es für sie nur ein Zuhause geben kann: ihre Station. Die beiden lassen sich scheiden, bleiben aber bis zum Tod Hugo van Lawicks 2002 befreundet. 

Jane Goodall und Hugo van Lawick bei der Arbeit.

Dieser Film zeigt auf ebenso schlichte wie bewegende Weise das Lebensmotto Jane Goodalls: "Ich bin eine ganz normale Person, die tut, was sie immer wollte: Draußen im Freien sein, unter den Sternen schlafen, die Tiere beobachten. Ist das möglich? Kann das wirklich ich sein? Ich habe es geschafft. Die Berge und Wälder sind mein Zuhause." Sie sagt weiter: "Zusammen formten die Schimpansen, die Vögel, die Insekten, das wimmelnde Leben des lebhaften Waldes, ein Ganzes. Alle waren Teil des großen Mysteriums. Und ich auch. Die ganze Zeit kam ich den Tieren und der Natur näher und so auch näher zu mir selbst und war im Einklang mit der spirituellen Macht, die ich überall fühlte." 

Das einzige, was mich an dem Film gestört hat – nicht ständig, aber immer wieder, vor allem in den Passagen mit großem Orchester –, war die Musik von Philip Glass, einem Komponisten, den ich ansonsten ungemein schätze. Aber hier drängt sich die Musik manchmal so dazwischen, übertönt die ruhigen Landschafts- und Tieraufnahmen, dass es mir teilweise schmerzlich unangenehm war. 

Jane Goodall mit "David Greybeard", dem männlichen Schimpansen, der als erster seine Scheu verlor und Kontakt mit ihr aufnahm. 

Nichtsdestotrotz: Brett Morgen ist mit diesem Film ein wunderbar sensibles, intimes Portrait einer großartigen Frau gelungen, dem viele, viele Zuschauer zu wünschen sind. Und es ist ein Film, den man gut und gerne mit der ganzen Familie anschauen kann. 

Weitere Informationen: Jane, der Film

Fotos: Copyright Jane Goodall Institute

 

 

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