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FrolleinDoktor

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Dezember 2015

 

15. Dezember 2015 |

Maria Farantouri – kraftvoll wie eh und je!

Ihre Stimme verbindet sich unauflösbar mit meiner frühen Erwachsenenzeit: die 1970er Jahre in Hamburg. Studentenbewegung, Frauenbewegung. Am 11. September 1973 das gewaltsame Ende des chilenischen Frühlings unter Salvador Allende, das Blutbad unter Pinochet. Militärdiktatur auch in Griechenland. Krieg in Vietnam. Mikis Theodorakis, der bedeutendste zeitgenössische griechische Komponist, hatte sich schon 1964 mit der Filmmusik zu "Alexis Sorbas" bereits unsterblich gemacht. Seit 1970 lebte er im Exil in Paris, nachdem er durch die griechische Militärjunta gefoltert und unter schlimmsten Bedingungen in Haft gewesen war. 

Und dann befreit sich Griechenland 1974 von der Diktatur, Mikis Theodorakis und seine Musik werden zur Fanfare der demokratischen Freiheitsbewegung. Undenkbar diese Lieder ohne die Sängerin, die ihnen ihr unverwechselbares Kolorit gegeben hat: Maria Farantouri, auch sie eine große Stimme des Widerstands. Legendär die gemeinsamen Konzerte der beiden. 

Mikis Theodorakis ist dieses Jahr 90 Jahre alt geworden. Immer noch lebt er in Paris, alt geworden und nicht mehr reisefähig. Aber jetzt kam Maria Farantouri im Rahmen der Elbphilharmonie-Konzerte "Around the World" nach Hamburg – mit türkischer Musik des es alevitisch-kurdischen Komponisten und Lauten-Virtuosen Taner Akyol. Auch das symbolträchtig: die Türkei und Griechenland vereint in der Musik! 

Taner Akyol hatte phantastische Musiker im Schlepptau: den Pianisten Antonis Anissegos und den Percussionisten Sebastian Flaig. Gemeinsam bestritten sie den ersten Teil des Abends mit Akyols Kompositionen – melancholisch und kraftvoll zugleich. Eine Entdeckung für sich! 

Für Teil 2 dann kamen dann die Hamburger Symphoniker unter Symeon Ioannidis auf die Bühne, und: Maria Farantouri! – erkennbar nicht mehr die jüngste, das Gehen fiel ihr schwer. Aber wie leicht, wie beschwingt, wie jung wird sie, wenn sie die Stimme erhebt! Von pianissimo bis fortissimo vermag sie alle Register zu ziehen, alle Gefühlsnuancen in Töne zu verwandeln – Schmerz, Trauer, Wut, aber auch Glück, Hingabe, Sanftmut. Immer noch entfaltet ihre dunkle Stimme ein Magie, die das Publikum im großen Saal der Laeisz-Halle bis in die letzte Reihe in Bann schlägt. 

Es war ein denkwürdiger Abend. Vor allem bei der zweiten und letzten Zugabe, die – natürlich – ein Lied von Mikis Theodorakis war, bei dem der Saal schier explodierte vor Begeisterung. Wie eh und je elektrisiert diese Musik, zielt sie mitten ins Herz! Und trifft. Wer dabei war, wird dieses Konzert nie vergessen. 

Und noch ein Tipp für ein weiteres, sehr besonderes Schmankerl im Rahmen der Elbphilharmonie-Konzerte: Am 22. Januar 2016 kommen die Mezzosopranistin Magdalen Koszená und ihr Mann Sir Simon Rattle, Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, für einen Liederabend nach Hamburg. Es ist einer der sehr raren Abende, an denen Sir Simon seine Frau am Flügel begleitet, noch dazu mit ausgewählten Solisten (Streicher, Flöte, Klarinette). Noch gibt es Karten (übrigens zu durchaus erschwinglichen Preisen zwischen 9 und 57 Euro). 

 

Februar 2015

 

09. Februar 2015 |

Musik für die Seele

Aus der Not eine Tugend machen – das muss Christoph Lieben-Seutter, der Generalintendant der Elbphilharmonie & Leiszhalle, schon seit geraumer Zeit. Seit eben feststand, dass sich die Eröffnung des zweiten Hamburger Wahrzeichens (neben dem Michel) um Jahre verzögern wird. Seit 2013 hat diese Tugend einen besonders stimmungsvollen Ableger: den Musikzyklus "Lux aeterna". Es findet statt zu einer Zeit, in der wir uns besonders nach mehr Licht und Wärme sehnen, in der der Winter oft quälend lang wird: im Februar, konkret vom 3.2. bis 2.3.2015. Es ist ein Monat, in dem Weihnachten schon wieder weit weg, der Frühling aber noch nicht da ist. In Hamburg ist der Februar oft besonders grau und trist und kalt und neblig und nass. 

Umso willkommener ist in so einem Monat Musik, die von innen wärmt. In diesem Jahr bietet "Lux aeterna" insgesamt 25 Konzerte und eine Tanzproduktion, die einen großen Bogen spannen "von der Musik des Reformationszeitalters über die zeitlos mystischen Klänge des Mittleren Ostens bis zu nachdenklicher aktueller Popmusik", wie Christoph Lieben-Seutter im Programmheft eingangs schreibt. Für ihn steht bei "Lux aeterna" spirituelle Musik im Mittelpunkt: "Musik, die uns innerlich erleuchtet, aber auch Gelegenheit bietet, uns jenseits des hektischen Alltags mit den grundlegenden Fragen des Daseins zu beschäftigen." 

Tan Dun schöpft mit den Händen das Wasser und lässt es wieder in die Schale hinabrieseln – Teil seiner "Water Passion". 

Schon mit dem Auftakt-Konzert gelang das aufs Feinste: Der aus China stammende Komponist und Dirigent Tan Dun leitete selbst seine "Water Passion" aus dem Jahr 2000, ein Auftragswerk der Internationalen Bach-Akademie anlässlich des 250. Todestages von Johann Sebastian Bach. Vier moderne Komponisten waren damals gebeten worden, zu den vier Evangelien neue Passionen zu schreiben, Tan Dun war hier für das Matthäus-Evangelium zuständig. Anders als Bachs Matthäus-Passion ist seine "Water-Passion" aber bei aller Dramatik und Schwere um den Leidensweg Christi und dessen Tod auch ein Werk voller Lebensfreude und Leichtigkeit, voller Licht und Zuversicht. Der Clou sind insgesamt 17 zu einem großen Kreuz angeordnete, von unten illuminierte Wasserschalen, die den Chor, die beiden Sänger (Sopran und Bass), drei Percussionisten und Instrumentalisten in vier Räume teilen. 

In breitem Schwall fließt das Wasser aus einem Sieb in die Schale zurück – und erzeugt dabei eine ganz eigene Geräuschkulisse. 

Und natürlich hat das Werk seinen Namen nicht ohne Grund: Das Wasser spielt darin eine zentrale Rolle. Zum einen als Klanggeber, indem die Percussionisten es tröpfeln und gluckern, rauschen und rieseln lassen. Zum anderen aber auch als Sinnbild für das Leben schlechthin, aus dem alles kommt, in dem alles strömt, und ebenso für Blut und Tränen. 

Tan Duns "Water Passion" ist ein Fest für alle Sinne. Er setzt nicht nur die Klangkörper raffiniert in Szene – von Gongs, Klangschalen, Waterphones und allerlei Schlagwerk, sondern auch das Licht und die Stimmen. Der Sopran (Maria Chiara Chizzoni) darf sich in höchste Höhen schwingen, der Bass (Stephen Bryant) in tiefste Tiefen und ebenso in geheimnisvollen Obertongesang. Der Chor (Internationale Chorakademie Lübeck) singt nicht nur, sondern ist ein Klangkörper für sich. Dass das Werk in einer Kirche (St. Katharinen) aufgeführt wurde, verlieh dem ganzen den passenden Rahmen.

Weitere Informationen zu den Aufführungen im Rahmen von "Lux aeterna" unter www.lux-aeterna-hamburg.de
 

(c) Fotos: Nana Watanabe

 

 

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