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07. Januar 2014 | 0 Kommentare

Survival of the fittest: Erlebnisreise Shanghai

Es ist eine gute Tradition im Netzwerk der wortstarken Frauen TEXTTREFF, sich unter den Bloggerinnen gegenseitig zu "bewichteln". Die eine schreibt der anderen einen Text, das Los entscheidet, wer mit wem. Das Glück war mir dieses Jahr hold, Textine Dörte Behrmann als Partnerin zu bescheren – beide lieben wir das Reisen und das Abenteuer fremder Städte und Länder. Vor wenigen Tagen veröffentlichte sie meinen Beitrag über "the one and only" Hotel in Kathmandu Dwarika's in ihrem "Bonscheladen"-Blog, jetzt revanchierte sie sich bei mir mit einem sensationellen Bericht über ihre Reise nach Shanghai. Viel Spaß beim Lesen und tausend Dank, liebe Dörte! 

Bier, Bananen und Grüntee. Mit diesen magenberuhigenden Lebensmitteln rettete ich vier der sechs Tage und Nächte in Shanghai. In den anderen beiden ging’s mir nicht so gut, Bauchdrücken und Übelkeit hielten mich wach. Dabei sah das aufgetischte Essen so lecker aus. Schon das Reiseziel hatte mich fasziniert, ist Shanghai doch eine dynamische Mixtur aus altem China, vergangener europäischer Kolonialzeit und dem, was man allgemein als „futuristisch“ bezeichnet. Doch die Woche im März 2009 in der Hafenstadt hatte es echt in sich, war ein Wechselbad zwischen Herausforderungen und Glückserlebnissen.

Das Stadtmodell von Shanghai – Blick von Norden (rechts) über den Fluss Huangpo auf den allerneuesten Stadtteil Pudong (links). Stand März 2009.

So hatte ich einen der schönsten Momente bei der Überfahrt auf dem Huangpu-Fluss, der in mehreren Armen durch die Stadt fließt. Ich fuhr vom Bund nach Pudong, also von der Altstadt in den neusten, futuristischen Stadtteil: Als das Schiff anlegte und sich die rund 300 Passagiere an den Ausgängen ballten, um ja nur möglichst als erste auszusteigen, stand ich inmitten einer Menge gleich großer Menschen. Das war fast magisch – mit nur 1,60 Meter gab es dieses Gefühl von Gleichheit vorher noch nie. Doch der Augenblick ging schnell vorüber und sofort waren wieder die Unterschiede im Vordergrund – das Aussehen, die Sprache, die Bekleidung, die Schnelligkeit der Bewegungen. Und ganz offensichtlich auch der Grad an Zumutung dem Magen gegenüber.

Essen gehört zu den großen Attraktionen in Shanghai und ich hatte mich sehr darauf gefreut. Restaurants gibt es wie Sand am Meer und für jeden Geldbeutel ein aufregendes Angebot. Von Xialongbao hatte ich gelesenL: gefüllte und in Bambuskörben gedämpfte Teigtaschen. Neugierig war ich auch auf Hundun, chinesische Ravioli.

Sieht lecker aus, hatte üble Folgen: Chinesische Ravioli.

Die habe ich auch gleich am ersten Tag probiert – sehr schmackhaft, wunderbar gewürzt, wenn auch in sehr fettiger Brühe zubereitet... übel, übel! Nach der überstandenen Nacht gab es tagsüber das erste Mal Bananen und Tee und zur Nacht nur leichtes chinesisches Bier, gekauft am kleinen Eckkiosk gegenüber meinem chinesischem Hotel.

Besondere Vorfreude aber lösten Reisgerichte mit Ente in mir aus, leider. Denn obwohl mich viele gewarnt hatten – das Fleisch wird nicht von den Knochen getrennt, sondern die Ente einfach mit den Knochen zerhackt und dann gebraten – entschied ich mich für dieses Gericht. Und hatte „zum Dessert“ die nächste schlaflose Nacht. Die Dame im Kiosk lächelte mir am nächsten Tag schon mitleidig entgegen.

 

 

Als ich Tage später bei einem Ausflug in die „Gartenstadt Zhujiajiao“ zwar wohlriechende, aber abenteuerlich aussehende Reisröllchen entdeckte, war ich gewarnt und senkte meine Neugier auf diesen kulinarischen Genuss gegen Null. Einzig bei einer Süßigkeit, die frisch und – wie mir schien – recht hygienisch vor meinen Augen zubereitet wurde, konnte ich nicht widerstehen. 

 

 

Nicht ungefährlich ist es auch, sich in Schanghai zu bewegen. Zwar ist die Stadt für Ausländer – und als solcher ist man ja schnell zu identifizieren – ziemlich sicher. Ich war allein unterwegs, musste mir häufig den Weg zu einem bestimmten Tempel oder einer anderen Attraktion auf meinem Stadtplan zeigen lassen, und stets hat mich die Hilfsbereitschaft aufs Neue überrascht und beglückt. Vor allem junge Chinesen waren gleich zur Stelle, die, wie die Alten nicht nur neugierig sind, sondern auch gekonnt und gern ihre englische Sprachgewandtheit anbrachten.

Doch der Autoverkehr ist enorm. Obschon Ampelanlagen mit Angabe der verbleibenden Wartezeit das Miteinander von Mensch, Fahrrad und Auto regeln, ist es als Fußgänger nicht empfehlenswert, allein auf die Grünschaltung zu vertrauen. Immerhin ist Schanghai mit rund 23 Millionen Menschen eine der größten Städte Chinas und sogar der Welt, da sucht jeder seinen Vorteil gegenüber dem anderen, auch wenn dieser noch so klein ist.

Mit gar nicht winzigen Dimensionen gehen die Frauen von Shanghai in den Kampf um die männliche Aufmerksamkeit: Körperlich zart wie Elfen, gekleidet in das, was die Luxusgeschäfte der westlichen Labels hergeben, stelzen sie gekonnt in „High-Heels“ über das Trottoir. Ich, im Vergleich dazu eher ein Nilpferd, ließ es bei bewundernden Blicken.

Insgesamt ist die Stadt trotz der Menschenmengen (zu den Einwohnern gesellen sich Millionen Touristen), sehr sauber. An jeder Ecke stehen häufig genutzte Müllkörbe und Spuckschüsseln. 

Wer sich über eine aufregende und herausfordernde Städtetour freuen kann, der ist in Shanghai absolut richtig aufgehoben. Tagelang durch die Straßen zu schlendern ist genau lohnend, wie gezielt Themenrouten zu Kunst, Mao Zedong oder durch die Französische Konzession zu folgen, sich Shoppingtouren zu erlauben oder auch den kulinarischen Angeboten nachzugehen. Per Flugzeug ist die Stadt von Frankfurt/Main aus in rund zehn Stunden in einem Nonstop-Flug erreicht.

Text und Fotos: Dörte Behrmann

 

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