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10. Januar 2014 | 14 Kommentare

Homöopathie nicht mehr “scientabel”???

Man ist ja so einiges an Hasstiraden gewohnt von den Gegnern der Komplementärmedizin, speziell der Homöopathie. Was Martina Lenzen-Schulte jetzt in der FAZ berichtet, schießt aber nun doch den Vogel ab. Unter der Überschrift "Ritterschlag für Quacksalber?" (9.1.2014) schreibt sie über einen Beitrag von Christian Weymayr, Co-Autor des Buches "Die Homöopathie-Lüge" und seit Jahren auf Feldzug gegen die Homöopathie im Allgemeinen und Speziellen. Weymayr veröffentlichte in der "Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen" einen Beitrag unter dem Titel: „Scientabilität – ein Konzept zum Umgang der Evidenz-basierten Medizin mit homöopathischen Arzneimitteln“. Darin spricht er sich dafür aus, künftig die heute gängigen Nachweismethoden für die Wirksamkeit eines Arzneimittels, speziell den Goldstandard der eviddenzbasierten Medizin, die randomisiert placebokontrollierte Studie, nicht mehr als Prüfmethode für homöopathische Medikamente zuzulassen. Die Homöopathie (und sicher nicht nur diese) soll damit aus der "scientific community" gänzlich ausgeschlossen werden.

Weymayrs Begründung (Zitat aus der FAZ): "Randomisiert-kontrollierte Studien sind zwar das methodisch Beste, was klinische Prüfverfahren zu bieten haben. Sie sind indes fehleranfällig und als Methode nicht davor gefeit, Ergebnisse zu produzieren, die auch dort Wirksamkeit attestieren, wo vielleicht keine ist." Oho! Das sind ja ganz neue Töne! Bisher galt die randomisiert-kontrollierte Studie als der "Goldstandard" unter den Wirksamkeitsnachweisen, Evidenzklasse 1a! Und nun ist das alles plötzlich so "fehleranfällig", dass man es nicht mehr als Nachweis gelten lassen kann? Nur weil auch Homöopathika den Test bestanden haben? Sapperlott!  

Die Homöopathie hat nämlich mittlerweile einige Studien nach diesem "Goldstandard" vorgelegt. Teilweise durchaus mit respektablen positiven Ergebnissen. Es liegt auf der Hand: Das passt den Gegnern nicht in den Kram. Man muss umgehend verhindern, dass derlei weiterhin geschieht. Zu diesem Zweck zaubert Weymayr flugs das Argument der "Scientabilität" aus dem Hut. Das Wort-Ungetüm steht für alles, was nicht wissenschaftsfähig ist oder sein kann. Und das gilt natürlich insbesondere für die Homöopathie. Weil ihre Wirkung für Naturwissenschaftler nicht vorstellbar ist. Weil es ein "Gedächtnis" des Wassers nicht gibt. Oder nach naturwissenschaftlichen Grundsätzen nicht geben kann, besser: nicht geben darf. 

Was für ein durchsichtiges Manöver: Zuerst fordert man Studien nach den Regeln der evidenz-basierten Medizin, vor allem eben randomisiert-kontrollierte Studien. Liegen diese vor, bestreitet man deren Aussagekraft und findet dies und das daran auszusetzen, was die Studienergebnisse insgesamt in Frage stellt. Funktioniert auch das nicht mehr, streitet man dem Verfahren eben jegliche wissenschaftliche Grundlage ab. So einfach ist das. 

Übrigens: Auch die Anthroposophische Medizin, speziell die Mistelforschung, kann mit positiven Studien aufwarten. Zuletzt mit einer randomisierten klinischen Studie zum Einsatz der Mistel (hier: Iscador Qu von Weleda, das ist ein Extrakt aus der Eichen-Mistel) bei lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs. Diese Studie zeigte in der Zwischenauswertung nach der Aufnahme von insgesamt 220 Patienten eine hochsignifikant verbesserte Überlebenszeit (p<0.0001) für die Misteltherapie-Gruppe (medianes Überleben = 4,8 Monate in der Mistel-Gruppe gegenüber 2,8 Monate in der Kontrollgruppe). Das wissenschaftliche Gutachter-Trio (darunter der renommierte Krebsforscher Prof. Dr. Volker Diehl, Köln), das die Zwischenauswertung prüfte, empfahl daraufhin den Abbruch der Studie mit dem Argument, man könne der Kontrollgruppe die Misteltherapie nicht mehr weiterhin vorenthalten. Diese Studie ist sicherlich einer der härtesten Wirksamkeitsnachweise für die Misteltherapie bei Krebs, zumindest beim Pankreas-Karzinom (siehe European Journal of Cancer, 2013 Dec; 49(18):3788-97).

Ähnliche Studien zur Überlebenszeit lassen sich bei anderen Krebsarten schwer oder gar nicht anstellen, weil die meisten (z.B. Brust- und Darmkrebs) zum Glück so lange Überlebenszeiten aufweisen, dass eine entsprechende Nachbeobachtung kaum finanzierbar und auch nicht realisierbar ist. Wohl aber zeigt die Misteltherapie auch bei diesen Krebsarten vielfach positive Ergebnisse: die Nebenwirkungen der Chemo- und Strahlentherapie werden abgemildert, ohne deren Wirksamkeit zu beeinträchtigen; und die Lebensqualität verbessert sich (vor allem hinsichtlich Schlaf, Appetit, Übelkeit, Schmerzen). 

Bisher wurde dieses Ergebnis von der Schulmedizin allerdings weitgehend ignoriert. Auch hier gilt offenbar, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. 

Foto: (c) Jürg Buess

 

Kommentare

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Dr. Norbert Aust 16. Januar 2014, 09:56 Uhr

... dumm nur, dass das in der von Ihnen zitierten Studie applizierte Medikament offenbar kein Homöopathikum war, sondern in Dosierungen zwischen 0,01 un 10 mg verabreicht wurde.

Dieses Beispiel stützt Ihre Argumentation hinsichtlich der Homöopathie überhaupt nicht.

Markus Stüttgen 16. Januar 2014, 18:11 Uhr

Es ist immer wieder dasgleiche. Die Schulmedizin negiert schlicht, dass sie sich weltanschaulich an den Materialismus gebunden hat. Wenn dann doch nachgewiesen wird, dass aus anderer Anschauung es sehr wohl positive Ergebnisse in der Medizin gibt, dann wird schnell aus der Sicht des Materialismus argumentiert, dass das ja nicht funktionieren kann, weil etwas Immaterielles gäbe es ja nicht!(siehe auch den Artikel in der FAZ!) Es kann halt nicht sein, was nicht sein soll! Dass ich eine wissenschaftliches/ medizinisches Problem aus unterschiedlichen Anschauungen betrachten sollte, weil ich dann evtl. mehr Lösungen zur Verfügung habe, hat sich in der Schulmedizin noch nicht weit herumgesprochen. Das zeigt sich auch in der Onkologie, wo die Misteltherapie selten anerkannt wird!

Bernd Harder 18. Januar 2014, 15:35 Uhr

@M. Stüttgen:

<< Wenn dann doch nachgewiesen wird, dass aus anderer Anschauung es sehr wohl positive Ergebnisse in der Medizin gibt. <<

Sie “argumentieren” ebenso widersprüchlich wie der obige Artikel auch:

a) Es gibt eben keinen “Nachweis”, dass Homöopathie “wirkt”, sondern nur einzelne Studien, die in der Fülle der negativen Studien leicht als statistische Ausreißer zu identifizieren sind, was eine generelle Schwäche von statistischen Methoden wie RCTs ist.

Bezeichnend ist auch, dass die Homöopathie Studien dann ganz toll findet, wenn diese scheinbar positiv für sie ausfallen.

Die vielen negativen Ergebnisse werden aber damit wegerklärt, dass Studien dem “individuellen Charakter” der Homöopathie ja gar nicht gerecht werden könnten ...

Ja was denn nun?

Und warum versuchen Homöopathen nicht endlich mal, die Grundlagen ihres Faches experimentell nachzuweisen (“geistartige Kräfte”, Wassergedächtnis, Informationstransfer durch Schütteln und Verreiben etc.), anstatt sich in simple Wirksamkeitsstudien zu flüchten, wo allein aus statistischen Gründen bei 100 Studien etwa fünf positive zu erwarten sind?

Weisen Sie doch bitte die Existenz dieses “Immateriellen” erst einmal nach, bevor Sie darauf eine “Heil”-Methode begründen.

b) <<  dass aus anderer Anschauung <<

Welche “andere Anschauung” denn? Meinen Sie damit Phrasen wie “Wer heilt hat recht”?

Das ist keine “andere Anschauung”, sondern pure Beliebigkeit und der Versuch, die “persönliche Erfahrung” dort zum Maßstab zu erheben, wo es notwendig wäre, genau zu ergründen, wie und durch was oder wen eine Heilung zustande kommt - und ob überhaupt eine Heilung (keine Symptomlinderung) von einer tatsächlich existierenden Erkrankung stattgefunden hat.

Dafür brauchen Sie eine Methodik, die weit über die bloße “Anschauung” hinausgeht, und die bloße Korrelationen von Kausalität unterscheiden kann.

Max Stegen 18. Januar 2014, 21:21 Uhr

Sehr geehrter Herr Stüttgen,
wieso erlebt man von Homöopathen immer das gleiche. Statt auf die wissenschaftlich-gesicherten Argumente der Schulmedizin einzugehen, wieder nur gejammer das die Homöopathie so arm dran ist…Desweiteren lässt sich ihre verschobene Sichtweise durch das von Herrn Dr. Weymayer aufgestellte Konzept der Scientabilität sehr gut wiederlegen. Dessweiteren ist die Warscheinlichkeit allein Mathematisch gesehen (und Mathemathik ist die deutlichste Sprache der Natur), dass alle physikalischen Gesetze eigentlich nicht so sind wie wir sie erleben, z.B.nämlich das das durch Verdünnung ebend keine Potenzierung erreicht werden kann, so gering das es als Falsch erklärt werden kann. Ich würde mir wirklich sehr wünschen, viel mehr Menschen würden sich auf ihr simples logisches denken verlassen, statt durch große Heilversprechen die eig. nur Hokuspokus sind und viel Geld kosten…

Johannes Teich 19. Januar 2014, 17:26 Uhr

Schlampiges Denken: “Die Homöoathie verdünnt die Substanzen ... in so vielen Schritten ... dass die Substanz ... darin nicht mehr existent sein kann.” Unsinn, denn es gibt keine Gewähr dafür, dass das letzte Molekül sich nicht doch darin befindet.

Denkfehler: Es wird gesagt, dass es eine immaterielle Heilkraft nicht geben könne, weil dies auf naturwissenschaftlichen Grundsätzen beruhe. Aber: Eine Wissenschaft, die sich auf Materielles bechränkt, kann grundsätzlich keine Auskunft über Immaterielles geben, da es außerhalb ihres Sichtfeldes liegt.

Erdinger 24. Januar 2014, 16:25 Uhr

@Johannes Teich:
“Eine Wissenschaft, die sich auf Materielles bechränkt, kann grundsätzlich keine Auskunft über Immaterielles geben, da es außerhalb ihres Sichtfeldes liegt.”

Das ist natuerlich nicht richtig. Die Homöoathie behauptet ja, eine materielle WIrkung zu haben - nur eben auf immateriellem Weg (was auch immer das sein soll). Die Wirkung muss man zeigen koennen. Kann man seit 200 Jahren nicht. Schade….

Johannes Teich 24. Januar 2014, 18:46 Uhr

@ Erdinger:
Von der abstrakten Aussage meines Satzes abgesehen:
Der Mensch ist vornehmlich ein immaterielles Wesen. Anstatt den physischen Leib reparieren zu wollen, wird angestrebt, den inneren Menschen in Harmonie zu versetzen, was sich letztlich auch im Physischen abbilden wird. Oft geht es aber weniger um Physisches: Die Anzahl “ausgebrannter” Menschen steigt in unserer Zeit ständig. Eine Tinktur gegen Ausbrennen zu erwarten, das wäre zu allopathisch gedacht. Dass auf homöopathischem Feld (wie andernorts auch) zuweilen gepfuscht und Unhaltbares behauptet wird, steht außer Frage.

Erdinger 04. März 2014, 16:01 Uhr

Hmm - hier sind viele Kommentare verschwunden - inklusive einer umfassenden Antwort auf Herrn Teich. @ Frollein Doktor: Kann man das reparieren

Annette Bopp 10. März 2014, 14:49 Uhr

Es tut mir sehr leid, aber durch ein saublödes Versehen beim Löschen von hunderten von Spam-Zuschriften sind hier einige Kommentare mit gelöscht worden und lassen sich auch nicht mehr zurückholen oder rekonstruieren. Ich bedaure das sehr und verspreche: wir werden künftig vorsichtiger sein.

Johannes Teich 10. März 2014, 16:19 Uhr

> Es tut mir sehr leid, aber ... einige Kommentare mit
> gelöscht worden ... lassen sich auch nicht mehr
> zurückholen…

Na, da sollte sich doch was machen lassen! Weil aber nur 5000 Zeichen erlaubt sind, muss ich es auf dreimal schicken:
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Erdinger 27.01.2014:

Johannes Teich
von den philosophoschen statements mal abgesehen - am Ende will man z.B.
Fieber senken oder eine Ekzem verschwinden lassen oder der Husten soll
verschwinden usw. Das sind - da kann man es drehen oder wenden wie man will
- sichtbare materielle (was auch immer das jetzt ganau heisst) Vorgaenge. Es
soll etwas nachweisbares im Koerper geschehen. Das Verschwinden eines Ekzems
ist ja nun messbar. Wenn die Homooeopathie Ihrer Meinung nach gar nichts
materiell greifbares leisten kann (was ich annehme), sind wir uns ja einig.
Aber WENN sie einen direkten Einfluss auf Krankeheiten haben soll, kann man
das auch statistisch nachweisen. Das man das NICHT kann, spricht fuer sich.
Man muesste uebrigens gar nicht so etwas kompliziertes machen. Der einfache
Nachweis irgendeiner Wirkung wuerde reichen. Es ist einfach, die Wirkung
eines Antibiotikums im Labor unzweifelhaft nachzuweisen - nur der Nachweis,
dass es dann auch dem Kranken hilft wird kompliziert. Aber die Homoeopathie
scheitert ja schon daran irgendeine - eine einzige - messbare Wirkung
nachweisbar zu zeigen. Es gibt also a) keinen plausiblen Mechanismus und b)
keinen wirklich nachweisbaren Effekt. Da braucht man eigentlich gar keine
klinischen Studien mehr…..
Eine spezielle Frage haette ich da noch: Woran erkenne ich denn einen
serioesen Homoeopathen? Allein mein ehemaliger Arzt und meine ehemalige
Apothekerin erzaehlten da unterschiedliche Sachen. Das reicht von
Quanteninformation (konnte er aber nicht genau erklaeren) bis zur
notwendigen Wechselwirkung mit dem menschlichen Geist (konnte sie auch nicht
erklaeren). Von den ganzen Internetforen mal abgesehen…..
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Annette Bopp 27.01.2014:

@Erdinger: Erstmal vielen Dank für die Kommentare. Nur ein kleiner Hinweis:
Mir hat bisher noch nie jemand erklären können, warum es in all den vielen
schulmedizinischen Studien auch “Nonresponder” gibt - und das in nicht
unerheblicher Zahl. Wenn das alles so logisch ist mit der substanziellen
Wirkung, dann dürfte es solche Nonresponder doch gar nicht geben? Für ich
zeigt das alles vor allem, dass die naturwissenschaftliche Forschung allein
nicht ausreicht - wir müssen Mittel und Methoden und Wege finden, auch das
Unerklärliche besser erklären zu können. Das lässt sich aber nicht
bewerkstelligen, wenn man bestimmten Verfahren die Forschungseignung einfach
abspricht. Gegen diese Arroganz und Ignoranz richtet sich mein Blogeintrag.
——————————————————————————————————————
? 27.01.2014:
@alldieschönenworte
Gut ist aber auch dieser Text: http://www.bmj.com/content/343/bmj.d8006
Wenn man “beide Seiten” darstellt, soll man sich gut ueberlegen, ob man den
Eindruch von 2 gleich grosen Lagern erwecken will, obwohl eine Seite ggf.
wissenschaftlich eine xtreme Aussenseiterposition ist.
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Johannes Teich 10. März 2014, 16:20 Uhr

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Erdinger 27.01.2014:

@Annette Bopp
Da wären wir sogar teilweise einer Meinung….
Dass der Körper sehr kompliziert ist, ist denke ich unzweifelhaft. Und dass
die Wissenschaft immer genau weiß, was da mit einem Medikament im Körper
passiert, kann glaube ich kaum einer ernsthaft behaupten. Ein schönes
Beispiel ist da ja immer die Entdeckung der Wirkung von Viagra. Das hat ja
auch keiner vorhergesehen (wenn ich das richtig in Erinnerung habe).

Forschungsverbote sollte es generell nicht geben. Da stehe ich voll auf
Ihrer Seite. Die Frage ist, welche Methode angemessen ist. Wenn ich keinen
Mechanismus habe und im Labor keinerlei Wirkung auf irgendetwas nachweisen
kann – machen dann klinische Studien noch Sinn? Wenn man Homöopathie
nicht in den Bereich des Esoterischen einordnen will, müsste irgendeine
homöopathische Mischung wenigsten irgendeine Wirkung im Labor
reproduzierbar zeigen können müssen. Jedes normale Medikament kann das –
schwierig wird erst der Nachweis einer positiven oder negativen Wirkung im
menschlichen Körper (weil der halt so verdammt kompliziert ist).

Wenn ich also nicht zeigen kann, das da wenigstens irgendwie irgendwas
passieren kann – warum soll man dann Studien durchführen, die kompliziert
und fehleranfällig sind. Diese Studien scheinen zwar unerlässlich zu sein,
um einen tatsächlichen positiven Einfluss auf die Gesundheit nachzuweisen
– aber weil d er Köper halt so kompliziert ist, sind sie auch
fehleranfällig.

Um ein Beispiel aus meinem eigenen Fachgebiet zu nehmen. Der Transport von
Chemikalien im Boden ist sehr kompliziert. Man weiß nie, wie die Poren
verlaufen, ob der Boden wirklich homogen ist, ob die Chemie nicht vielleicht
ganz leicht mit großen Wirkungen schwankt…. Da kommen oft die
überraschendsten Ergebnisse raus. Darum lässt sich so was auch sehr
schlecht mit Computermodellen vorherberechnen.
Wenn jetzt aber jemand sagt: „wenn ich auf den Boden spucke, bewegt sich
kein Pestizid in 300m Umkreis mehr von der Stelle“ – was tue ich dann?
Starte ich dann ein millionenschweres Forschungsprogramm auf vielen
unterschiedlichen Feldern und Versuchen den Effekt zu sehen (was kompliziert
und fehleranfällig wäre)? Nein. Ich sage: OK – zeig mir mal kurz im
Labor, DASS deine Spucke überhaupt einen nennenswerten Einfluss hat –
dann sehen wir weiter.
SO verstehe ich die derzeitige Diskussion.

Ob diese Diskussion angesichts der Tatsache zielführend ist, dass ja schon
so viele Menschen einfach davon überzeugt sind, ist eine andere Frage.
Persönlich fürchte ich ja eher, dass die meisten sagen „guck mal – die
zensieren uns – dann muss ja was dran sein“. Leider….
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Annette Bopp 27.01.2014:

@Erdinger
Lustiger Vergleich! Das Problem ist ja, dass die Homöopathie - wie auch
andere komplementärmedizinische Verfahren - dazu gezwungen wurde,
entsprechende Studien vorzulegen, vor allem RCTs, weil diese als einzig
ernstzunehmender Wirksamkeitsnachweis galten. Das hat Für und Wider. Leider
wird auf die anderen Evidenz-Ebenen zuwenig Augenmerk gerichtet bzw. sie
werden zu gering geschätzt. Das ist sicher auch ein Problem unserer Zeit.
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Johannes Teich 27.01.2014:

@Erdinger
Zitat: “Wenn ich keinen Mechanismus habe und im Labor keinerlei Wirkung auf
irgendetwas nachweisen kann ...” - Ist das denn wirklich so? Habe das zu
wenig verfolgt.

Einfach mal ein Beipiel “am eigenen Körper”: Ich habe ein paar Jahre
erfolgreich Sortis eingenommen, um meinen Cholesterinwert zu senken. Da
Sortis ein “Hammer” ist, habe ich es einfach mal weggelassen, worauf mein
Wert auf über 350 kletterte. Eine gut beleumundete Knoblauchkur
(KnobiVital) hat mir gar nichts gebracht. Dann wurden mir von einem
Heilpraktiker Chelidonium-Kügelchen empfohlen, und jetzt liegt der Wert
deutlich unter 200.

Das ist natürlich keine Statistik, aber es nährt bei mir den Zweifel an
der Unmessbarkeit. Nur halte ich es für sinnlos, dieses Medikament nun 1000
Probanten verabreichen zu wollen. Der Heilpaktiker hat es sich nicht leicht
gemacht, gerade dieses Medikament für gerade diesen Patinten auszuwählen.

Selbstverständlich erwarte ich von Homöopathie keine (vordergründige)
Hilfe bei Knochenbruch, auch keinen Schutz vor Kinderlähmung oder Tetanus.
Die Stärke von Homöopathie liegt mehr bei chronischen Beschwerden.

Und nicht jedes Medikment ist für jeden Patienten gut, - das ist wohl die
größte Hürde zur Erlangung von Statistiken. Warum - caramba - wird dieser
Punkt immer wieder missachtet?
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Johannes Teich 10. März 2014, 16:21 Uhr

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Erdinger 27.01.2014:

@Johannes Teich
ja - leider ist es so. Es gibt keinen einzigen Nachweis einer Wirkung - egal
welcher. Kein einziger Effekt - hervorgerufen durch homoeopathische Mittel -
laesst sich belastbar reproduzieren. Das geht sogar mit dem schlechtesten
Antibiotikum. Jede Chemikalie - egal welche - hat irgendeine Wirkung, die
man im Labor zeigen kann. Das gilt auch fuer jedes elektrische Feld und
eigentlich fuer alles. Nur nicht fuer homoeopathische Mittel.
Und da liegt der Hund begraben. Es gibt kein Experiment, dass zeigt, dass es
irgendeinen - egal welchen - homoeopathischen Effekt geben wuerde.
Nix. Nur am eigenen Koerper, bei schwankenden Krankheiten (also nicht z.B.
bei Karies oder der Verhuetung oder akuten Schmerzen), meint man manchmal
subjektiv eine Besserung zu verspueren.
Muss man wirklich diskutieren, warum manche Menschen glauben, es hilft
ihnen? Was ist der Unterschied zu Wunderheilern und Hexenmeistern? Beispiele
“am eigenen Koerper” sind halt nicht sehr aussagefaehig - auch wenn man sie
selber natuerlich immer sehr beeindruckend findet. Aber das ist Statisitk
mit einem einzigen Datenpunkt.
——————————————————————————————————————
Annette Bopp 27.01.2014:

@Erdinger: Da muss ich aber jetzt doch nochmal widersprechen - zur
Studienlage berichten die Homöopathen anderes. Aber über diese Ergebnisse
kann man trefflich streiten. Das wissen wir hier ja alle.
——————————————————————————————————————
Erdinger 27.01.2014:

@Annette Bopp
Da lege ich mich jetzt einfach mal fest. Sowas existiert nicht
reproduzierbar. Es gibt immer wieder jemanden, der glaubt, im Labor was
tolles gefunden zu haben. Wenn das andere nicht reproduzieren können, ist
das wertlos (hab ich leidvoll erfahren). Ganz ehrlich - es geht hier nicht
um ein einzelnes Medikament, sondern um eine komplettes System zur
angeblichen Heilung einer Vielzahl von Krankheiten. Irgendein unstrittig
reproduzierbarer homöopathischer Effekt sollte schon bekannt sein. Wenn wir
nicht ins Esoterische abgleiten (notwendig teilnehmender menschlicher Geist
oder so) muss da irgendetwas passieren. Etwa bei Zugabe von potenziertem
Kalk eine Veränderung des pH? Oder eine höhere Löslichkeit eines
beliebigen Stoffes in einem D30 Medikament im Vergleich zu reinem Wasser?
Oder was auch immer. Hauptsache irgendwas. Also - ich bin bisher über so
etwas nicht gestolpert. Wenn Sie mir so ein Experiment benennen können
(peer review und reproduzierber), lasse ich gerne nen guten Wein springen.
Das wäre mir mein Nobelpreis wert! wink

Annette Bopp 10. März 2014, 16:34 Uhr

Juhu! Die Kommentare sind wieder da! Danke, Johannes Teich!

Johannes Teich 10. März 2014, 18:29 Uhr

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Erdinger 27.01.2014:

@Johannes Teich
ja - leider ist es so. Es gibt keinen einzigen Nachweis einer Wirkung - egal
welcher. Kein einziger Effekt - hervorgerufen durch homoeopathische Mittel -
laesst sich belastbar reproduzieren. Das geht sogar mit dem schlechtesten
Antibiotikum. Jede Chemikalie - egal welche - hat irgendeine Wirkung, die
man im Labor zeigen kann. Das gilt auch fuer jedes elektrische Feld und
eigentlich fuer alles. Nur nicht fuer homoeopathische Mittel.
Und da liegt der Hund begraben. Es gibt kein Experiment, dass zeigt, dass es
irgendeinen - egal welchen - homoeopathischen Effekt geben wuerde.
Nix. Nur am eigenen Koerper, bei schwankenden Krankheiten (also nicht z.B.
bei Karies oder der Verhuetung oder akuten Schmerzen), meint man manchmal
subjektiv eine Besserung zu verspueren.
Muss man wirklich diskutieren, warum manche Menschen glauben, es hilft
ihnen? Was ist der Unterschied zu Wunderheilern und Hexenmeistern? Beispiele
“am eigenen Koerper” sind halt nicht sehr aussagefaehig - auch wenn man sie
selber natuerlich immer sehr beeindruckend findet. Aber das ist Statisitk
mit einem einzigen Datenpunkt.
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Annette Bopp 27.01.2014:

@Erdinger: Da muss ich aber jetzt doch nochmal widersprechen - zur
Studienlage berichten die Homöopathen anderes. Aber über diese Ergebnisse
kann man trefflich streiten. Das wissen wir hier ja alle.
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Erdinger 27.01.2014:

@Annette Bopp
Da lege ich mich jetzt einfach mal fest. Sowas existiert nicht
reproduzierbar. Es gibt immer wieder jemanden, der glaubt, im Labor was
tolles gefunden zu haben. Wenn das andere nicht reproduzieren können, ist
das wertlos (hab ich leidvoll erfahren). Ganz ehrlich - es geht hier nicht
um ein einzelnes Medikament, sondern um eine komplettes System zur
angeblichen Heilung einer Vielzahl von Krankheiten. Irgendein unstrittig
reproduzierbarer homöopathischer Effekt sollte schon bekannt sein. Wenn wir
nicht ins Esoterische abgleiten (notwendig teilnehmender menschlicher Geist
oder so) muss da irgendetwas passieren. Etwa bei Zugabe von potenziertem
Kalk eine Veränderung des pH? Oder eine höhere Löslichkeit eines
beliebigen Stoffes in einem D30 Medikament im Vergleich zu reinem Wasser?
Oder was auch immer. Hauptsache irgendwas. Also - ich bin bisher über so
etwas nicht gestolpert. Wenn Sie mir so ein Experiment benennen können
(peer review und reproduzierber), lasse ich gerne nen guten Wein springen.
Das wäre mir mein Nobelpreis wert http://frolleindoktor.de/images/smileys/grin.gif
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