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17. Dezember 2013 | 0 Kommentare

Der Künstler

Heute wird Armin Müller-Stahl 83 Jahre alt – unglaublich! Er ist das, was sich am besten auf einen ganz kurzen, aber umfassenden Nenner bringen lässt: ein Künstler. Nein, er ist DER Künstler, denn es gibt weltweit nur ganz, ganz wenige wie ihn. Er ist nicht nur Schauspieler, sondern auch Maler, Musiker und Schriftsteller. Eine seiner wichtigsten Eigenschaften: Er ist leise. Nie aufdringlich, nie überspannt, nie sich in den Vordergrund drängend.

Wenn ich an Armin Müller-Stahl denke, dann steht immer auch Thomas Mann vor meinem inneren Auge, den er so großartig in der wunderbaren filmischen Dokumentation von Heinrich Breloer und Horst Königstein im ZDF verkörpert hat. Als "Jahrhundertroman" wurde der dreiteilige Film bezeichnet – zu Recht. Die letzte Wiederholung liegt leider schon wieder drei Jahre zurück, und es bleibt zu wünschen, dass das ZDF ihn bald wieder einmal ins Programm hebt. Allen, die das nicht abwarten können, sei die DVD-Box empfohlen – sie werden auch später unsere Enkel noch zu schätzen wissen. 

Armin Müller-Stahl spielt diesen Thomas Mann in der ihm eigenen zurückhaltenden Art, zwingend glaubhaft. Diese innere Zerrissenheit des großen Schriftstellers, seine unterdrückte Homosexualität, sein patriarchalische Haltung, seine Unnahbarkeit den Kindern gegenüber. Aber eben auch den Künstler, der um jedes Wort ringt, immer an sich selbst zweifelt, aber doch auch zutiefst von seiner Kunst überzeugt ist. 

Über dieses Mammutwerk erschien schon 2001 ein Begleitband "Die Manns" und später auch noch eine Broschur über das "making of": "Unterwegs zur Familie Mann" mit spannenden Einblicken in die Begegnungen und Interviews, die die Filmemacher im Vorfeld und während ihrer Dreharbeiten geführt haben. 

Ein Jahr vorher hatte der S.Fischer Verlag ein Roman von Thomas Manns Bruder Heinrich wiederentdeckt, der 1894 und somit sechs Jahre vor den "Buddenbrooks" erschienen, aber seit den 1920er Jahren nicht mehr erhältlich war: "In einer Familie". 

Es ist eine ebenso tragische wie leidenschaftliche Dreiecksgeschichte, mit einem interessanten Anhang: Der damals fünfzigjährige Autor schreibt hier anlässlich der Neuausgabe 1921 einen Brief an sich selbst als 21-Jährigen, in dem er so manches relativiert, was er in seinem jungmännlichen Überschwang im Roman geschrieben hatte. 

 

 

Höchst lesenwert auch die Biografie über Thomas Manns Frau Katja, die Inge und Walter Jens unter dem vielsagenden Titel "Frau Thomas Mann", die 2003 im Rowohl Verlag erschienen ist. 

Wer immer sich näher mit den "alten" Manns (Thomas und Katja Mann sowie Heinrich Mann) beschäftigen möchte, wird um diese Bücher nicht mehr herumkommen. 

 

 

 

 

Heinrich Breloer und Horst Königstein: Die Manns. Ein Jahrhundertroman. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2001

Heinrich Breloer: Unterwegs zur Familie Mann. Begegnungen, Gespräche, Interviews. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2001

Heinrich Mann: In einer Familie. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2000

Inge und Walter Jens: Frau Thomas Mann. Das Leben der Katharina Pringsheim. Rowohl Verlag, Reinbek, 2003

 

 

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