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20. Dezember 2013 | 2 Kommentare

“Das ist Weihnachten!” Ist DAS Weihnachten?

In diesen Tagen wirbt die ARD mit einem Trailer für ihr Spielfilmprogramm an den Feiertagen. Ansage: "An Weihnachten landen bei uns nur die Besten: Superhelden (Iron Man), Superspione (James Bond in der Version mit Pierce Brosnan), Superkommissare (Mankells Wallander), neue Ermittler am Tatort. Die Besten zur besten Zeit. Das ist Weihnachten. Hier, im Ersten." Dazu knallt und kracht es, Feuerbälle explodieren, Iron Man klappt sein gruseliges Visier zu, Autos crashen, wir blicken in Pistolenmündungen und sehen, wie Christian Ulmen als Tatort-Ermittler einen saftigen Kinnhaken verpasst bekommt.

Das ist Weihnachten. Hier bei uns. In dem Fernsehprogramm, das immer noch eine der größten Reichweiten hat, und gerade auch an Feiertagen besonders viele Zuschauer. Im Ersten.

Natürlich gibt es auch das Kontrastprogramm mit Pinocchio, dem "Kleinen Lord", Oliver Twist, Bibi Blocksberg für die Kleinen. Es gibt die unvermeidliche Christine Neubauer als Bäckermeisterin Klaudia Wehmeyer, passend als Weihnachtsfrau verkleidet mit rotem Mantel und Zipfelmütze, und natürlich die üblichen Schnulzen mit Gaby Dohm, Erol Sander und Peter Weck, und auch das "Traumhotel" darf nicht fehlen.

Nun war das Fernsehprogramm an den Weihnachtstagen noch nie das tollste - weder bei der ARD noch bei anderen Sendern, ganz egal, ob öffentlich-rechtlich oder privat. Was mich so aufbringt, ist der Trailer mit der Botschaft: "Das ist Weihnachten." Und dazu die Baller-Filme. Ist das Weihnachten?

Wenn der Einzelhandel darüber nachdenkt, auch die Advents-Sonntage für den Verkauf zu öffnen und somit die gesamte Zeit vor der Heiligen Nacht zum Konsum-Rausch verkommen zu lassen, ist der Slogan der ARD nur konsequent. Dann besteht Weihnachten eben wirklich nur noch aus Einkaufen, Fressen, Saufen und vor der Glotze abhängen.

Wenn ich an die unsägliche Weihnachtspost denke, die ich in diesen Tagen bekomme, passt das ebenfalls ins Bild. Da schicken mir Agenturen oder Unternehmen, mit denen ich seit Jahren nichts mehr zu tun habe (oder auch noch nie zu tun hatte) die üblichen Karten mit den üblichen Pauschalsprüchen und mit einer Unterschrift, der man ansieht, dass diese Karte vielleicht die 578. war, die es hier zu unterzeichnen galt. Es sind anonyme Botschaften ohne Inhalt, ohne Sinn und Verstand. Man schickt diese Karten (oder auch entsprechende E-Mails), weil "man" das eben so macht. Weil es sich so gehört. 

Die Christrose ist ein Symbol für die Menschwerdung Christi, für das Licht in der Dunkelheit. Eine lichtvolle, zarte Blüte im Winter, in dem sonst kaum etwas blüht.

Das ist Weihnachten. Ist das Weihnachten? Wie furchtbar, wenn es tatsächlich so wäre! Es geht ja durchaus auch anders. Es gibt sie noch, die gute Weihnachtspost. Die persönlichen, manchmal sogar handgeschriebenen Briefe. Die E-Mails mit PDF-Anhang, aus dem die wichtigsten familiären Ereignisse hervorgehen – oft liebevoll zusammengebastelt und amüsant zu lesen. Am Jahresende Rückschau zu halten auf das, was war – das ist keine schlechte Tradition. An Weihnachten, der Geburtsstunde des Weltenerlösers, an Menschen zu schreiben (und damit auch an sie zu denken), mit denen wir verbunden sind – auf welche Art auch immer –, das ist ebenfalls ein schöner Brauch. Ich freue mich über jede Post, ob elektronisch oder über den normalen Briefkasten, die mich mit solchen  Botschaften erreicht. Und ich erwidere diese Post auch gerne – oft bringen mich diese Briefe dazu, in den zwölf "Rauhnächten" zwischen Heiligabend und den Heiligen Drei Königen selbst zur Feder zu greifen, Fotos auszusuchen oder eine lange E-Mail aufzusetzen. Ich mache das meistens erst in dieser Zeit, weil die Wochen davor oft so hektisch sind, dass ich keine Ruhe habe für solche Briefe, in denen ich ja etwas von mir und meiner Familie mitteilen und nicht stur nur Unterschriften leisten will.

Allen meinen Leserinnen und Lesern wünsche ich die Muße und vor allem auch die Ruhe, in diesen rauhen Nächten (und nicht nur dann) ein bisschen Zeit für die Besinnung zu finden – für eine Rückschau auf das, was war, und eine Vorschau auf das, was kommen wird. Vor allem aber die Fähigkeit, im Jetzt zu sein. Sich bewusst zu werden, dass die Sonne just in diesen Tagen ihren Lauf wieder wendet – die tiefste Dunkelheit ist erreicht, ab dem 21. Dezember werden die Nächte  wieder kürzer. Zu fühlen, dass Weihnachten auch bedeutet, dass Licht in unser Leben kommt – ob in der christlichen Bedeutung oder als Licht, das mit der Wintersonnenwende wieder zu uns zurückkehrt. Das Licht in den Kerzen am Baum und in den Augen lieber Menschen zu sehen, die uns nahe sind. Die Wärme zu spüren, die von einem intakten Freundeskreis ausgeht (es muss ja gar nicht unbedingt die Familie sein!).

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

 

Kommentare

 

Annette C. 20. Dezember 2013, 20:33 Uhr

Liebe Annette,

was ein wunderbarer Artikel, und welch wahre Worte, die mich sehr berührt haben. grin Ich wünsche auch Dir nur das Beste und viel Wärme und Licht für die kommenden Tage und natürlich auch für das neue Jahr.

Sei umarmt. Annette.

Annette Bopp 21. Dezember 2013, 00:38 Uhr

Danke, meine liebe Namensschwester! Alles Liebe für Dich und die Deinen!

 

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