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FrolleinDoktor

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20. August 2013 |

Antibiotika: Mehr Zurückhaltung tut not!

Gestern erreichte mich eine Meldung aus dem Ruhrgebiet: Die Westfälische Rundschau berichtete, dass in den Helios-Kliniken in Duisburg bis Juni 2013 genauso viele Menschen mit multiresistenten Keimen infiziert worden waren als im gesamten Jahr 2012. Mit anderen Worten: im ersten Halbjahr hat sich die Anzahl der Fälle verdoppelt. Schon 2011 waren die Zahlen in Duisburg jeweils doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt von NRW, wie dem WR-Bericht zu entnehmen ist.

Multiresistent, das bedeutet: die Bakterien sind gegen die meisten der Antibiotika, die normalerweise dagegen eingesetzt werden, resistent. Sie lassen sich damit nicht mehr abtöten. Handelt es sich um multiresistente Erreger, sind sie gleich gegen mehrere Antbiotika unempfindlich geworden – was tödlich enden kann, weil kein Mittel mehr dagegen hilft.

Nun ist es ja ohnehin schon ein Unding, dass Menschen im Krankenhaus eher noch kränker werden als gesund. Dass sie sich dort aber mit einem Keim infizieren, den sie kaum noch loswerden, sprich: sich damit eine möglicherweise todbringende Infektion einhandeln – das ist nachgerade ein Skandal. Immer mal wieder gibt es dazu Schlagzeilen, aber ändern tut sich nichts. Drei Faktoren sind dafür ausschlaggebend:

  1. Die inflationäre und vielfach unnötige Verordnung von Antibiotika in allgemein- und fachärztlichen Praxen.
  2. Der Gebrauch von Antibiotika in der Tierhaltung, vor allem von Fischen (z B. Lachse, Forellen aus Aquakultur), Hühnern, Enten, Puten, Rindern und Schweinen.
  3. Mangelnde Hygiene im Krankenhaus, vor allem in der Chirurgie.

Sorgfältige Hygiene im Operationssaal ist oberstes Gebot, um Infektionen zu vermeiden.

Das alles ist landauf, landab bekannt. Aber ändern tut sich nichts. Nun können wir als Außenstehende an den Hygiene-Verhältnissen im OP wenig ändern. Und wenn ein operativer Eingriff erforderlich ist, können wir das auch nicht umgehen. Wir können nur hoffen, dass wir mit heiler Haut davonkommen. Ist ein Eingriff planbar, können wir jedoch in den Qualitätsberichten der Krankenhäuser (die im Internet veröffentlicht sind) nachschauen, wie hoch die Infektionsrate des Hauses ist. Aber oft ähneln sich die Raten der Häuser, und einen hundertprozentigen Schutz gibt es ohnehin nicht. Dass Krankenhäuser heute Profit-Center sind, bei denen es vor allem auf einen hohen Durchsatz an Patienten ankommt wie auf einem Stückgut-Frachter, wurde schon x-mal beklagt und angeprangert, aber auch das ist eine Tatsache, an der wir kurzfristig nichts ändern können.

Einfluss nehmen können wir jedoch auf den Verzehr von Fisch, Geflügel und Fleisch. Wir können kein Billigfleisch aus Mastbetrieben kaufen, wo von vornherein klar ist, dass die Tiere mehr oder weniger vor dem Tod hergetrieben werden – unter massivem Einsatz von Antibiotika und Wachstumsförderern. Wir können unsere Ernährung so steuern, dass wir weniger Fleisch und mehr Gemüse essen – dann kann man sich auch die teureren Bio-Produkte aus artgerechter Haltung leisten. Für die Gesundheit ist es ohnehin besser, höchstens zwei- bis dreimal in der Woche Fleisch, Fisch oder Geflügel zu verspeisen. Ich fand ja ohnehin, dass der Veggi-Tag eine ganz gute Idee war...

Vor allem aber können wir dafür sorgen, dass wir gegen Bagatell-Erkrankungen keine Antibiotika einsetzen. Dazu gehören vor allem Erkältungen (die ohnehin vorwiegend durch Viren ausgelöst werden, gegen Antibiotika nicht wirken), aber auch Mittelohr-, Nasennebenhöhlen-, Atemwegs-, Hals- und Rachenentzündungen. Antibiotika sind da meisten ebenso unnötig wie kontraproduktiv. Nicht nur, aber vor allem wegen der Entwicklung von Resistenzen.

Die nächsten Gesundheitstipps der Woche werden sich deshalb immer wieder mit bewährten Hausmitteln gegen solche Infekte beschäftigen, die vor allem in der kalten Jahreszeit zwischen November und März vorkommen. Bis dahin gilt: Vor jedem Einsatz eines Antibiotikums gut überlegen, ob es wirklich nötig ist. Das gilt vor allem für die Behandlung von Kindern!